06.04.2012 Heute hat Violetta Geburtstag. Ich packe meine Taschen und den Seesack. Es regnet Katzen und Hunde. Die Tour mit Boneca unter realistischen Bedingungen, mit meinem kompletten Gepäck fällt somit erst mal ins Wasser und davon gibt es heute noch jede Menge. Ich fahre mit Miguel zum Büro des Eselverbandes, helfe beim Kochen für das Mittagessen und mache gut gesättigt, in Begleitung einiger Touristen eine kleine Führung durch die Ställe und das Anwesen mit.

Nachmittags ist das Wetter wieder besser, so daß wir bei Manuel vorbei schauen. Manuel versucht mir zu verstehen zu geben, daß Boneca Zigaretten liebt. Zur Veranschaulichung zündet er sich eine an, nimmt einen tiefen Zug und bläst ihr den Rauch in die Nüstern. Erstaunlich, sie zeigt keinerlei Regung, daß dies unangenehm wäre. Manuel versucht mir wieder klar zu machen, daß Boneca ebenfalls gerne Tabak frisst und dies als Belohnung ansieht. Miguel, der mein Gesicht voller Fragezeichen sieht bestätigt mir dies noch einmal. Jetzt solls aber mal los gehen. Wir packen Boneca Sattel, Taschen, Zelt, Schlummerrolle und den gut gefüllten Seesack auf den Rücken und dann marschieren wir los. So etwa 1,5 Km geht alles gut und ich sehe mich schon genau so durch die Welt ziehen, als der Packsattel anfängt in Schieflage zu geraten. Ich eile sofort um Boneca herum, um den Sattel wieder zu richten. Boneca interpretiert dies irgendwie anders und dreht sich schwungvoll mit, der Sattel gewinnt an Neigung ich kann sie nicht mehr halten als sie verschreckt volle Fahrt aufnimmt. Die linke Packtasche fliegt nach links, die rechte Packtasche nach rechts, Zelt, Schlummerrolle und Seesack sehe ich sich im Graben überschlagen… und Boneca ist auf dem Weg nach Hause. Nach einem knappen Kilometer hole ich sie langsam ein. Inzwischen habe ich Miguel angerufen und er hilft mir die Packtaschen zu holen, ich bringe Boneca zurück in den Stall.

Abends geht’s dann zu Violetta und Miguels Freunden, den Geburtstag feiern. Miguel schlägt vor, daß ich nach Pena Branca gehe, damit Boneca sich besser an mich gewöhnen kann und die Bindung zu Manuel verliert. Der Eselverband hat hier ebenfalls Stallungen und pflegt hier Esel mit den verschiedensten Krankheiten oder von Bauern die zu alt für eine Pflege der Tiere sind. Ich denke dies ist eine gute Idee.

07.04.2012 Wir sind kurz nach 10 Uhr bei Manuel. Ich kaufe Boneca und mache mich gegen 11 auf in Richtung Pena Branca. Das Wandern durch die einzigartig schöne  Landschaft ist wunderbar! Ich gewinne ein unbeschreiblich gutes Gefühl, ich glaube diese Tour zu machen ist die beste Entscheidung die ich je getroffen habe!

Bis Milhadas ist alles ist alles gut gegangen, und 2/3 der 15 Km sind ohne Probleme zurückgelegt. Ich beschließe hier im erstbesten Restaurant eine Mittagspause einzulegen. Da ich nicht auf der Terrasse essen darf, setze ich mich ans Fenster, um Boneca im Blick zu haben. Solange jemand vorbei kommt und Boneca streichelt ist alles in Ordnung. Als Sie dann aber eine 4-tel Stunde lang alleine ist wird sie unruhig und fängt an sich an der Mauer zu reiben und immer wieder in die Leine zu laufen um sich frei zu machen. Ich beeile mich zu zahlen und es geht wieder weiter. Super, wir sind gut in der Zeit und wenn wir so weiter laufen sind wir schon spätnachmittags da! Mein Navi zeigt mir nur noch etwas über 3 Km Luftlinie nach Pena Branca an, als wir zu einer kleinen Brücke kommen. Boneca weigert sich näher als einen Meter an dieses Ungeheuer aus Stein heranzutreten. Hat sie vielleicht schon einmal schlechte Erfahrungen mit portugiesischen Bauwerken gemacht? Diese Art, aus unbehauenen Steinblöcken errichteten kleinen Brücken hatte Boneca schon unter Manuels Führung verweigert. Also beschließe ich mit Ihr einfach an der Brücke vorbei, über diesen winzigen Rinnsal zu gehen. Das Wässerchen ist keine 20 cm breit aber Boneca traut der Sache nicht, schließlich können sich ja Untiefen ergeben, die so ohne weiteres nicht zu erkennen sind. Ich laufe mehrmals über das Bächlein, um die Ungefährlichkeit dieses Unternehmens deutlich zu machen, locke mit Möhre und Äpfelchen aber nein, mehr als 1 Meter Distanz  kann nicht überwunden werden. Also beschließe ich am Bach entlang zu laufen, bis wir eine stabile Brücke für Boneca finden. So geht es nach einer Weile über Stock, Stein und Unterholz. Endlich, die rettende Brücke. Ein Blick auf mein Navi zeigt mir, daß wir hier schon mal lang gekommen sind. Naja, immerhin hat Boneca den Querfeldein Geländetest bestanden. An der Brücke angekommen berate ich mich mit meinem Navi und schlage schließlich den anderen, nicht so wirklich direkten Weg ein. Nach einer geraumen Weile eröffnet sich uns die Möglichkeit einen etwas schmaleren Feldweg genau Richtung Pena zu nehmen. Bissel Glück gehört halt auch dazu! Dieser wunderschöne Weg endet nach ca. einem Kilometer in einer großen Weidefläche und als deren Ende in Sicht kommt stelle ich fest, daß hier ein wunderschönes Mäuerchen aus Naturstein um die komplette Weidefläche errichtet ist. Wir wandern entlang der Mauer zurück, finden eine Lücke in eine andere Weidefläche und laufen auch hier entlang einer Mauer, die ebenfalls nur die Möglichkeit eröffnet, zurück zu laufen. Nie mehr kleine Feldwege und nie mehr Weideflächen in Portugal! Wir haben inzwischen mindestens 15 Km zurückgelegt und sind seit dem Bachlauf unserem Ziel nicht wirklich näher gekommen. Irgendwann finden wir aus dieser Verkettung von Steinmauern heraus und der Weg führt uns schließlich weitab unserer Route nach Palancar. Von hier gibt es keinen Feldweg nach Pena Branca und mir ist es inzwischen auch egal, daß es jetzt auf einer Landstraße mit entsprechendem Verkehr weiter geht. 20 nach 6 kommen wir endlich im Ort an. Ich bin müde, setze mich an einen Dorfbrunnen, nehme meine Mütze ab und wische mir den Schweiß aus dem Gesicht. Hier eilt mir Boneca zu Hilfe. Sie leckt mir die Wange ab und  beißt mir herzhaft in die Haare, die sie mir wie ein Büschel Heu auszureißen versucht. Die kürze meiner Haare verhindert schlimmeres.  Ich frage mich nach der Eselstation durch und bin froh endlich für Boneca eine Tränke und Futter zu finden. Esel trinken nicht aus diesen gefährlichen Bächen. Sie fühlt sich sofort wohl mit den anderen Eseln der Station, läuft von einem Esel zum Anderen um sich zu begrüßen…

Die Hufpflege ist Boneca leider nicht gewohnt. Als ich zu den Hinterbeinen komme  erhalte ich ganz unerwartet von Karatekid-Boneca einen sidekick aus der Hüfte…

Ich helfe bei der Abendfütterung und gemeinsam fahren wir noch nach Miranda um einige Vorräte zu besorgen.

08.04.2012 Ostersonntag. Ich bin müde, habe Muskelkater mit tun die Füße weh. Es ist ein fauler Tag und er wird es bleiben. Ich probiere meinen Campingkocher aus, koche Kaffee und eine leckere Bohnensuppe. Ich beschließe den Tag in der Hängematte zu verbringen. Es ist sonnig und der erste Tag hier im Norden ohne Regen. Mittags kommen Freunde von Miguel und leisten mir Gesellschaft.  Ich spreche das Problem mit der Hufpflege an. Erhalte von Bob dem Hufschmied eine Demonstration wie man die Hinterbeine fachgerecht nach oben reißt, auf die Knie legt und dann in aller Ruhe die hinteren Hufe pflegen kann. Hierzu sind 4 Personen notwendig. Ein Hufpfleger und drei, die gerade so eine  protestierende Boneca festhalten. Irgendwie kommt mir mein Eselkurs in Erinnerung, in dem ich gelernt habe, die Hufe nicht zu hoch zu ziehen, damit dem Esel nicht weh getan wird. Zusammen füttern wir die Esel und sitzen noch zu netten Gesprächen bei einem Osterbier. Ich erhalte den Tipp für einen gut ausgeschilderten Rundweg um den Ort. Ich bleibe bis zum späten Nachmittag in der Nähe meiner Hängematte und skype mit Deutschland. Nach der Abendfütterung probieren wir den Rundweg, doch irgendwann bleibt die gute Ausschilderung aus und wir stehen wieder in einer dieser schönen Wiesen mit den malerischen Steinmäuerchen… Irgendwann finden wir wieder heim und ich lasse den Abend mit einem leckeren portugiesischen Rotwein ausklingen.

09.04.2012 Heute ist es etwas frischer. Dies wird besonders bei meiner Morgentoilette deutlich. Mangels vorhandener Duschmöglichkeit kommt nämlich meine Outdoordusche zum Einsatz, die ich jeden Morgen vor dem Haus an einem in den Garten vorstehenden Trägerbalken installiere. Aber heute geht ein unsanfter Wind, so daß ich mich immer wieder in den Wasserstrahl bewegen muß, um etwas warmes Wasser abzubekommen. Auf dem Weg ins Haus zittere ich mich warm…

Nach einem leckeren Kaffee geht’s zur Eselfütterung. Um die 50 Esel zu füttern ist schon Arbeit. Einige benötigen eine spezielle Diät. Nach der Fütterung schnappe ich mir Boneca und wir wandern nach Miranda do Douro. Miguel hatte gemeint, daß hier am Ostermontag die Geschäfte wohl geöffnet seien wegen der Touristen aus Spanien. Wir werden von einem der Hunde der Eselstation begleitet. In Miranda ist es deutlich nach meiner gefühlten Mittagszeit. Ich steure die erste in Sicht kommende Lokalität an und lasse es mir bei einem Steak mit dem obligatorischen Spiegelei einem Berg lecker knuspriger Pommes und einer riesigen Schüssel Salat gut gehen.  Die netten Wirtsleute haben inzwischen für Hund und Esel Wasser bereitgestellt. Das Ganze kostet mich mit zwei Flaschen Limonade und einem Kaffee 10,80 € . Auf meine Frage nach einem Supermarkt schaut man mich etwas verdutzt an. Heute ist wohl nichts geöffnet aber ich könnte mich ja mal selbst überzeugen und so bekomme ich den Weg erklärt. Und tatsächlich der Supermarkt hat geschlossen. Ich frage mich weiter nach geöffneten Einkaufsmöglichkeiten durch und gelange schließlich an einen kleinen Laden, der sich die Öffnungszeit am Ostermontag honorieren läßt. Als ich zu Boneca zurück komme ist sie wohl davon ausgegangen ich würde nicht mehr wieder kommen und hatte angefangen nach mir zu rufen und einen Berg voll runder brauner Verdaulichkeiten zu hinterlassen.  Ich beruhige Sie mit einer großen Karotte. Nach dem Verstauen der Einkäufe geht es zurück.

Nach dem Füttern üben wir weiter die Hufpflege. Diesmal bin ich besser vorbereitet aber my fair Lady versucht mir immer wieder zu entkommen. Die mir gezeigte Methode möchte ich erst gar nicht aneignen und so heißt es erst mal Geduld üben.

10.04.2012 Nach den Üblichkeiten des Morgens helfe ich wieder Louis, der hier für die Fütterung der Tiere zuständig ist. Es wird immer kälter und der Himmel ist grau. Heute kommen die Tiere wegen dem drohenden Regen nicht auf die Weide. Ich kümmere mich wieder um Boneca zeige Ihr meinen Hufreiniger und mit viel Geduld und zureden gelingt es mir diesmal nach etwa einer Stunde auch die hinteren Hufe zu reinigen. Inzwischen regnet es aus allen Kannen. Louis der mitbekommen hat, daß ich noch einen Regenschutz für Boneca benötige fährt mich nach Miranda. Er hilft mir beim erstehen einer Plane und einigen Spanngurten, die hier aus Gummibändern und Metallhaken nach meinen Vorgaben erstellt werden. Im Supermarkt kaufe ich dann Holzkohle und Kotelette für das Abendessen. Ich will endlich wieder mal grillen!

Zurück in Pena Branca klart der Himmel auf und ich nutze dies für einen kurzen Ausflug mit Boneca. Ich möchte so gerne am Donnerstag endlich los und meine Tour beginnen. Ich habe inzwischen ein schlechtes Gewissen hier so lange rumzuhängen und vielleicht kommt ja mit dem Start meiner Tour endlich der Sommer!

Nach der Abendfütterung werfe ich meinen Campinggrill an und lade Louis zum Essen ein. Nach zwei leckeren Kotelette, Käse, Wurst und Wein und anregenden Gesprächen aus den verschiedenen Sprachen westlich von Frankfurt liegender Staaten, werde ich müde und freue mich auf meinen kuscheligen Schlafsack.

  • Weißt Du Ralf, wenn es mir nach geht, kannst Du mit Deiner First-Lady auch da unne bleiben.
    Aber nur, wenn Du weiter so geil schreibst.

    Ich frage mich aber nun, ob Du in den nächsten 6 Monaten ab- oder zunehmen wirst

    Drück Dich mal ganz fett

    Wolle

  • Thorsten:

    Hallo Ralf,

    dann mal guten Start der Tour morgen – wenns klappt!

    Ich wünsch dir besseres Wetter und weiter guten Appetit. ;-)

    Viele Grüße

    Thorsten

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