16.04.2012 Es ist kurz nach 10 Uhr abends, wir sind gerade zurück von unserer Tagestour und ich habe Boneca zur Belohnung eine Portion Kraftfutter mit einem guten Schuß Olivenöl gegeben. Egal wie ich meine Füße ausstrecke, das Ganze fühlt sich wie ein einziger brennender stumpfer Schmerz an. Aber ich bin super stolz auf Boneca. Wir haben heute über 22 Km zurückgelegt, haben zum ersten Mal ohne Leine laufen geübt, haben einen steilen felsigen Abhang bezwungen und Boneca hat einen gefährlich gurgelnden Bach überquert und das Ganze mit etwas über 20Kg Marschgepäck! Die Satteltaschen und die Lederriemen des Sattels sind inzwischen von ruß schwarz gefärbt. Und wenn ich so an mir runter schaue, sehe ich selbst nicht besser aus. Morgen früh ist erst mal Waschtag angesagt! Jetzt genieße ich aber erst mal einen eiskalten Vinho Verde und die sanft schmeichelnde Wirkung dieses leichten Weines um meine brennenden Glieder innerlich zu löschen. Und so lasse ich diesen Tag noch einmal vor meinem geistigen Auge revue passieren…

Der Tag fing ruhig und gemächlich an. Um 7 Uhr stelle ich fest, daß Nunu schon da gewesen sein muß, ich finde nämlich drei Ballen Heu vor der Tür und Boneca friedlich dieses knusprige Futter mümmelnd vor. Ich trödel noch vor mich hin, schreibe etwas für die daheimgebliebenen und schwups ist es schon fast 10 Uhr. Ich hatte noch nicht mal Kaffee gekocht. Eine Kanne Kaffee später, erhält Boneca eine Portion Kraftfutter Sara hatte mir empfohlen dem Futter Sonnenblumenöl beizumischen, das würde kräftigend wirken. Nun ich habe zwar kein Sonnenblumenöl, aber ein gutes Olivenöl sollte es doch auch tun. Ich bereite Boneca auf die heutige Tagestour vor und lege Satteldecken, den Holzsattel und die Satteltaschen auf. Nunu kommt noch mal kurz vorbei mir einige vergessene Sachen zu bringen. Ich haue Ihn auf einen neuen Hufkratzer an, denn den alten hab ich beim Wandern verloren. Ich soll zur Eselstation nach Atenor gehen und mir einen neuen geben lassen, außerdem meint er es wäre geschickt, wenn man ihn mit einer Leine fest macht…

Nachdem ich Boneca noch jeweils 10 Liter Wasser in jede Satteltasche gepackt habe, solls losgehen. Der Straße nach wären es keine 5 Km bis Atenor aber das wäre langweilig. Und so geht es den ersten Feldweg nehmend nach rechts ins Ländle. Der Feldweg endet in einer Wiese. Na toll, ich habe keine Lust wieder den Hang hoch zurück zu laufen. An die Wiese schließt sich ein Acker an. Boneca als Expertin für den Holzpflug, den mir Manuel stolz gezeigt hatte, sollte mit Ackerboden keine Probleme haben, also geht’s erst mal weiter. Ich habe einen Feldweg ausgemacht, den sollten wir doch nach dem Acker erreichen. Was ich nicht gesehen habe, um auf den Feldweg zu gelangen muß man etwa einen halben Meter tiefer und da sind jede Menge großer Steine kreuz und quer. Damit sich Boneca nicht den Fuß verstaucht, räume ich die Steine beiseite. Jetzt kommt Sie mit einem großen Satz und sogar der Sattel hält. Auf dem Feldweg geht’s dann erst mal Richtung Atenor, wir schwenken dann aber immer mehr gen Süden ab. Auf halber Strecke nach Gregos können wir endlich wieder nach links Richtung Atenor abbiegen. Dafür geht es steil bergauf. Boneca liebt es, wenns hoch geht nochmal einen Zahn zuzulegen. Ich versuche schnaufend Schritt zu halten und Sie zu einer langsameren Gangart zu bewegen. So schnaufe ich gezogen von Boneca den Berg hinauf. Irgendwie habe ich immer mehr das Gefühl, nicht Sie sondern ich benötige das Training.

Irgendwann nach 1 Uhr mittags sehen wir Atenor. Fast der komplette Weg zog sich oder besser gesagt zog mich Boneca bergauf. Um 2 Uhr treffen wir bei der Eselstation ein. Ich werde gleich zum Mittagessen eingeladen und ich nehme dankbar an. Heute gibt es Couscous mit Huhn und ich helfe gerne Knoblauch, Zwiebeln und Karotten kleinschneiden. Nach dem Essen noch einen Kaffee, Boneca`s Hufe von Steinchen befreien, Satteln und dann geht’s weiter Richtung Palacoulo. Irgendwo auf der Strecke finden wir für Boneca eine leckere Wiese und für mich ein schattiges Plätzchen. Es ist sehr warm und nach dem Essen soll man bekanntlich ruhen, die tausend Schritte haben wir ja längst absolviert.

Eine knappe Stunde später ziehen wir wieder unserer Wege und kommen um 5 Uhr an. Wir finden einen Supermarkt mit einem sehr großen Angebot an Taschenmessern. Ich frage nach einem großen Taschenmesser um es als Küchenmesser verwenden zu können und bekomme den Hinweis, daß diese Messer hier am Ort gefertigt werden und ich bei der Manufaktur sicher auch große Messer bekommen kann. Als Notkauf erstehe ich eine Flasche Vinho Verde und begebe mich in die mir gewiesene Richtung. Der Messerfabrikant hat seit einer halben Stunde geschlossen und selbst auf mein intensives Klingeln finde ich keinen Einlaß. Also machen wir uns Richtung Heimweg. Am Ortsausgang finde ich die Möglichkeit mich zu stärken. Bis es dazu kommt, bedarf es allerdings noch einiger Konversation. Die Dame am Tresen versteht außer Portugiesisch keine weitere Sprache und alle meine Bemühungen meinen Wunsch nach nahrhaftem deutlich zu machen laufen ins Leere. Ein hinzukommender Gast wird meine Rettung. Er kann zwar auch nur portugiesisch allerdings ruft er jemanden an, der übersetzen kann. Ricardo, der eigentlich studiert hat aber hier hängengeblieben ist und den in der Region traditionellen Dudelsack spielt und auch das Instrument lehrt spricht sehr gut englisch. Er fragt mich gleich, ob ich den Esel in Atenor oder Pena Branca ausgeliehen habe und ich soll die Leute vom Eselverband grüßen, die er sehr gut kennen würde. Er empfiehlt mir das Steak, das sei hier das Beste und leitet die Bestellung in die Wege. Außerdem erfahre ich, daß es unüblich sei so früh zu Abend zu essen. Naja, ich muß ja noch nach Teixeira und bis dahin isses ja auch noch ein Stück Weg. Ricardo hat nicht übertrieben. Es kommen zwei große Steaks, von denen eines schon gereicht hätte mit einer riesen Portion Pommes und eine große Schüssel Salat. Ich packe meinen Reservemagen aus und haue Steaks, Salat und einen Großteil der Fritten weg. Der inzwischen eingetroffene Gastwirt spricht ein wenig französisch und fragt mich, ob ich noch mehr essen möchte. Dies kann ich nur noch dankend ablehnen und auch eine angebotene Nachspeise findet keinen Platz mehr. Ich begebe mich wegen des Rauchverbotes mit einem Kaffee nach draußen. Boneca, die schon einige Male nach mir gerufen hat, gibt mir bei meinem Anblick lautstark zu verstehen, daß Sie mit dem Warten vor der Tür überhaupt nicht einverstanden ist. Aber was soll ich machen? Draußen essen ist in dieser kalten Region Portugals nicht vorgesehen und ins Lokal dürfen nicht mal Hunde.

Nachdem Boneca wieder gesattelt ist, kanns dann endlich weitergehen. Es ist inzwischen 7 Uhr und um 8 solls ja langsam dunkel werden. Also laufen wir mit schweren Schritten aus Palacoulo heraus in Richtung Teixeira. Bei einer Schrebergartensiedlung am Ortsrand frage ich zwei Männer nach dem Weg und bekomme zur Info, in gebrochenem Deutsch mit eindeutig schwäbischem Einschlag, daß ich hier entlang gehen soll dann steil den Berg hinauf und dann kann man Teixeira schon in der Ferne sehen. Na das war ja mal ne Überraschung. Also geht’s jetzt erst mal der Beschreibung nach weiter. Der Weg wird inzwischen immer schmaler und schließlich hört auch der schmale Pfad auf. Dafür kann ich wie versprochen Teixeira in der Ferne sehen. Der Anblick ist schon schön, so mit der untergehenden Sonne. Ich sollte vielleicht das nächste Mal Wert darauf legen, daß ich mein Ziel nicht nur sehen sondern auch erreichen möchte. Ich entschließe mich wegen der fortgeschrittenen Stunde den Hang herunter zu klettern, denn ich sehe da auf der anderen Hangseite einen Weg, der hoffentlich hier heraus führt. Die Portugiesen zündeln sehr gerne und dies ist wohl auch hier passiert. Die Bauern zünden im Frühjahr das alte trockene Heu auf den Wiesen an, damit das neue besser wachsen kann. Wenn es wie bis Ende März zu trocken ist, kommt es gerne vor, daß sich das Feuer selbständig macht und Waldbrände sind keine Seltenheit. So ist es auch hier geschehen. Wir klettern also vorsichtig den immer steiniger werdenden Hang hinunter der nur noch von verkohlten Büschen und Bäumchen bewachsen ist. Auf den letzten Metern stelle ich zu meinem Entsetzen fest, daß hier unten ein munter gurgelndes Bächlein  verläuft. Scheibenkleister. Ich setze mich auf eine nicht verkohlte Stelle um den Sachverhalt bei einer Zigarette zu verdauen. Um mich herum riecht es angenehm vertraut. Hier wächst wilde Pfefferminze. Ich kann mich allerdings weder an dem schönen Bachlauf noch den hiesigen Pflanzen erfreuen, denn es wird langsam dunkel. Als ich aufstehe, um resigniert den Rückweg anzutreten werde ich von Boneca verblüfft. Sie macht einen riesen Satz über den Bach. Wow, es geht also doch wenn Sie wirklich heim will. Jetzt müssen wir eigentlich nur noch den Hang hinauf, der mir jetzt doch steiler vorkommt als aus der Distanz eingeschätzt. Da es auch hier sehr steinig ist, beschließe ich daß ich jetzt auf die Leine verzichte und jeder von uns versucht den für sich besten Weg nach oben zu finden. So klettern wir beide auf allen vieren den Hang hinauf. Oben gibt’s dann eine halbe Belohnungsrübe. Nun, das hat ja erstaunlich gut geklappt, ohne Leine. Boneca hat oben sogar geduldig gewartet bis auch ich endlich den Hang bezwungen habe. Ich beschließe dieses ohne Leine laufen weiter zu üben. Das klappt auch sehr gut, bis wir auf eine Weggabelung stoßen. Hier beschließt Boneca den rechten Weg einzuschlagen. Meinen Versuch Sie zu überreden ignoriert Sie allerdings und wandert langsam weiter wieder Richtung Palacoulo. Bei dem Versuch sie einzuholen wird Sie immer schneller und schließlich verschwindet auch der Schemenhafte helle Packsattel im Dunkel der Nacht. Na super, das haste ja wieder toll hingekriegt. Ich mache erst mal eine Verschnaufpause und überlege, wie ich die Situation retten könnte. Mir kommt beim besten Willen keine Idee. Also gehe ich Boneca hinterher. Langsam kommt so etwas in den Blick was die Packsättel sein könnten und tatsächlich, Boneca scheint hier eine leckere Stelle am Wegesrand gefunden zu haben. Ich nähere mich Ihr vorsichtig und es gelingt mir Sie wieder an die Leine zu nehmen. Jetzt aber nichts wie zurück. Wir sind inzwischen beide müde und Boneca nimmt endlich meinen langsamen Schritt an. So geht es in der Dunkelheit langsam auf gewundenen Wegen weiter nach Treixeira.

17.04.2012 Der Tag beginnt müde und auch keine Kanne Kaffee kann das ändern. Ich finde erst gegen 9 Uhr den Weg zur Dusche. Das warme Wasser kann meine Muskulatur nur kurzfristig auflockern. Mangels Waschmaschine geht es jetzt erst mal an die Handwäsche die ich vorm Haus trocknen lasse. Ich koche mir auf meinem Campingkocher vor der Tür erst mal Kartoffeln, immer wieder kritisch von Boneca beobachtet, die dem rauschenden Benzinkocher kein Vertrauen entgegenbringen kann. Während ich die Kartoffeln pelle, brutzeln Champignons im Öl vor sich hin. Jetzt noch Hackfleisch dazu, das Ganze würzen und dann kann’s los gehen mit den Verdauungsvorbereitenden Maßnahmen. Nach dem Essen noch eine Ruhepause und dann will Boneca zu Ihrem Recht kommen. Sie hat Ihre Sonderration Kraftfutter längst verdaut und ruft gelangweilt nach mehr Bewegung. Nun, heute ist mir jede Bewegung eine Qual und so mache ich mich ganz gemächlich daran Bonecas Hufe zu reinigen. Heute hat Sie alles vergessen und versucht wieder nach mir zu treten. Aber da muß Sie jetzt durch. Auch das Satteln will Sie heute nicht geduldig über sich ergehen lassen. Der heutige Tag ist kühl und die Wolkenformationen lassen nichts Gutes erwarten. Wir machen uns auf und auch auf dem Weg will mir Boneca klar machen, daß schnelles gehen gefolgt von dem Wunsch jede grüne Stelle am Wegesrand erkunden zu müssen obligatorisch sind. Heute macht das Wandern mit Ihr keinen Spaß und so bin ich froh eine einladende Korkeiche als Windschutz zu finden und Boneca eine Weidemöglichkeit zu spendieren. Ein guter Urlaub ist halt doch eine sinnvolle Verkettung von Ruhepausen.  Nach einer halben Stunde werde ich wach. Mich überläuft ein Kälteschauer. Brrr, das ist jetzt aber noch mal empfindlich kälter geworden. Ich belade Boneca also wieder und wir machen uns wieder auf den Weg. Ich bin im Grunde ganz froh, daß wir schnell einen Weg finden, der uns nach Hause führt. Und kaum sind wir da, fallen auch schon die ersten Tropfen. Ich beeile mich die Wäsche rein zu holen, während Boneca sich wieder Ihrem knusprigen Heu zuwendet. Irgendwie habe ich mir das alles doch ganz anders vorgestellt. Wollte ich nicht aus dem warmen Portugal, durchs warme Spanien und dann sollte ja auch in Frankreich der Sommer ausgebrochen sein? Was mache ich hier eigentlich? Ich friere mir hier in schlecht beheizbaren Behausungen die gute Laune ab.

18.04.2012 Heute möchte ich wieder nach Palacoulo um mir vielleicht doch ein großes Taschenmesser zu kaufen, mit dem die Küchenarbeit schneller von der Hand geht. Ich bin heute nicht so wirklich guter Laune, da meine Webseite irgendwie nicht mehr geht und so ein blöder Kommentar darauf hinweist, daß die Seite geschlossen worden sei. Sowas ist fast so hilfreich wie ein zweiter Kropf. Ich brauche heute wieder bissel länger, in die Gänge zu kommen. Aber gegen 10 geht’s dann doch endlich los. Wir laufen den Weg unserer Nachtwanderung zurück, gehen diesmal nicht die letzthin gefundene Abkürzung und so kommen wir gegen halb zwei in Palacoulo an. Da ich heute keine Lust auf Frühstück hatte, freue ich mich das Restaurant schnell wieder zu finden. Nach wiederum einer mächtigen Portion Schweineschnitzel und dem abschließenden Kaffee vor der Tür, geht es zur Messerfabrik. Inzwischen hat es Petrus gut mit der Natur gemeint. Es fängt an anständig zu regnen und ich bringe Boneca im überdachten Parkplatz unter. Diesmal wird mein Klingeln erhört und man bringt mich in den Verkaufsraum im ersten Stock. Die Kommunikation wird allerdings durch mangelnde Fremdsprachkenntnisse des Angestellten erschwert. Ich finde ein interessantes Taschenmesser mit über den Handgriff hinausgehender Klinge. Als ich den Punkt, dieses doch recht stumpfe Messer zu schärfen, erörtern möchte verschwindet schließlich der verzweifelte Mann und kommt mit dem Inhaber zurück. Ich werde gefragt ob ich deutsch spreche. Na das können wir doch ausnahmsweise mal nicht so schlecht. Und so nutze ich die Gelegenheit mich ausführlich zu informieren. Ich erfahre, daß hier unter anderem die Messer für einen Solinger Messerfabrikanten hergestellt werden, der dann nur noch sein eigenes Logo aufbringt und sein Sohn regelmäßig nach Frankfurt auf einschlägige Messen fährt. Na da läßt sich doch bestimmt noch etwas in die Wege leiten, wenn ich wieder daheim bin und ich finde bestimmt noch Platz für einen dritten Messerblock. Inzwischen kommt der Kollege, der mich anfänglich bedient hat, mit dem für mich geschärften Messer zurück. Ich soll vorsichtig sein, das Messer sei scharf. Ein kurzer Blick verrät mir allerdings, daß eigentlich nur der Standard-Verkaufs Winkel der Schneide nachgezogen wurde. Und tatsächlich, das Ding ist nicht wirklich schärfer geworden. Auf meine Frage nach einem guten feinen Schleifstein werde ich auf einen doch recht groben Stein aufmerksam gemacht, wie ich ihn zuhause für das Schärfen meiner Sense verwende. Auf meinen unglücklichen Blick aufmerksam geworden hält man mir einen Wetzstahl hin. Aber auch hier lehne ich dankend ab. Ein Wetzstahl ist lediglich zum entgraten nach dem Schleifen des Messers zu verwenden oder von unwissenden Hausfrauen, die eigentlich kein scharfes Messer haben wollen weil das im Grunde viel zu gefährlich ist.

Auf dem Heimweg, es hat sich inzwischen eingeregnet, kommen wir an einem Minisupermarkt vorbei. Hier erstehe ich einen Beutel voll Obst und Gemüse. Die Verkäufer und eine Kundin sind sehr gesprächig und sprechen ausgezeichnet französisch und so werde ich ausgefragt, wie und warum sich ausgerechnet ein Deutscher hierher verirrt. Als die Kundin sieht wie ich nach dem Einkauf Boneca mit einem Stück Möhre aufmuntern will, kommt Sie aus dem Laden und klärt mich auf, daß sowas nicht gut für Esel ist und ob ich nicht lieber etwas Getreide haben will. Das macht stark und gesund. Warum eigentlich nicht? Und so läuft die Dame schnell nach Hause und kommt kurz darauf mit einer Tüte Getreide wieder, die ich geschenkt bekomme, da das so ein schöner Esel ist. Nachdem die Einkäufe verstaut sind geht’s jetzt aber endlich heim, bevor wir hier noch völlig aufweichen. Diesmal meide ich den Weg von Montag und wir laufen ein Stück um den Ort. Der schmale Pfad, der direkt auf unseren Heimweg führt, wird von einem kleinen Bächlein gequert. Boneca kann sich beim besten Willen nicht mehr erinnern, daß Ihr am Montag das Überqueren eines viel größeren Baches so gut gelungen ist. Heute wollen wir nicht über Bäche. Nun, dann laufen wir eben einen Umweg. Als wir schon eine Weile gelaufen sind, Palacoulo ist schon nicht mehr zu sehen, fällt Boneca auf, daß dies der Weg zurück nach Teixeira ist. Sie bleibt sofort stehen und weigert sich weiter zu gehen. Auch Sara`s Trick Boneca am Halfter im rechten Winkel weg zu ziehen hilft uns immer nur weitere zwei Meter weiter. So ist das zu anstrengend. Ich verspreche Ihr also, daß Sie auf der nächsten Wiese nach Herzenslust schlemmen darf. Und? Als hätte Sie alles verstanden geht’s jetzt wieder ein Stück weiter. Aber leider nur etwa 100 Meter, dann sind wir wieder der Meinung, daß es schöner ist im Regen zu stehen als im Regen zu wandern. Ob das wohl wieder eine Nachtwanderung wird? Ca. 2 Zigaretten später, ich hab Boneca inzwischen versprochen, daß Sie vor meiner Tür auf der Veranda schlafen darf, geht’s dann endlich weiter. Von einer kurzen Belohnungswiese abgesehen, geht es dann ohne Unterbrechung nach Teixeira. Wir laufen hier wie zwei nasse Pudel ein und schleichen müde zu unserer Unterkunft. Heute haben wir von den 16 Km 10 mit 30Kg und die restlichen 6 mit ca. 20 Kg absolviert. Wenn wir so weiter machen, bin ich zuversichtlich, daß wir uns nächste Woche ernsthaft Gedanken über einen Beginn der Tour machen können.

19.04.2012 Heute Vormittag regnet es, so daß ich beschließe mein Reisetagebuch zu vervollständigen. Ich habe mir eine Scheibe Zitrone zwischen Socken und den mehrfach aufgegangenen Blasen meines linken Fußes geschoben. Das Brennen gibt mir das angenehme Gefühl der Heilung. Da auch die Satteldecke nicht trocken werden will, widme ich Vor- und frühen Nachmittag der Erholung.

Als dann nachmittags die Sonne aufreißt schnappe ich mir Boneca für einen kurzen Ausflug und weil Sie die letzten Tage so gut trainiert hat, heute ohne Sattel. Zunächst hat Sie keine Lust auf Bewegung, die Büsche, Bäumchen und Sträucher sind viel interessanter. Ich gebe Ihr Gelegenheit sich an Hainbuche, Brombeere und anderen Bäumchen zu erquicken. Endlich können wir weiter. Ich will ja eigentlich nur hier um diesen Berg herum und dann sollten wir ja wieder hier am Ort ankommen. Meinem untrüglichen Ortssinn verdanken wir es, daß wir knappe 2 bis 3 Stunden später einen Ort sehen, der so gar nicht nach Teixeira aussieht. Mein Navigationsgerät verrät mir, daß es sich hier um Mora handelt. Ok, dann verlängern wir halt unsere Wanderung ein wenig und besuchen Mora. Vielleicht läßt sich hier ja ein schnuckeliges Restaurant finden. Meine Magennerven stehen nämlich schon auf halb 8 und genauso spät ist es als wir in Mora einlaufen. Hier gibt es viele eingefallene Steinhäuschen aber auch einige Neubauten. Allerdings ist von einem Restaurant nach einem kurzen Rundgang durch den Ort keine Spur zu entdecken. Ein kurzer Blick auf mein Navi macht mir klar, daß hier nicht mehr allzu lange Unterstützung zu erwarten ist, nur noch ein Balken. Na prima dann mal nichts wie los. Ich hoffe einen direkteren weg zu finden und so geht es mit der untergehenden Sonne, die sich durch die Wolken nur erahnen läßt aus Mora Richtung Teixeira. Der Weg schweift allerdings dann doch sehr stark ab. Mein Navi verweigert inzwischen den Dienst aber ich hab ja noch ein halb geladenes Handy mit GPS und der installierten Karte von Google Maps. Während mein tolles Garmin hier keine Wege anzeigt, wird mir dieser Feldweg im Handy erstaunlich gut beschrieben. Wir müssen eigentlich nur den Weg entlang immer mit Blick ins Tal und vor allem immer rechts halten und dann sollte ich auf der anderen Seite irgendwann auf den Weg kommen, den wir schon von unserer Wanderung nach Palacoulo kennen. Durch dieses Tal, das mich von Teixeira trennt führt leider kein direkter Weg. Es wird immer dunkler und wir sind jetzt schon eine gute Stunde unterwegs als wir auf eine Furt stoßen, die vielleicht nicht tief allerdings um die 3 Meter breit ist. Rechts gibt es in gemütlichem Schrittabstand Steine durch diesen Bach. Während mein Handy hier die doch recht gut Feldwege anzeigt, zeigt mein Garmin doch schon besser Flussläufe und Bäche an. Also geht’s jetzt zurück. Inzwischen bereue ich es, nichts zu trinken mitgenommen zu haben. Mein Gaumen wird immer trockener und als wir kurz nach 11 wieder in Mora sind kommt mir die Viehtränke am Ort in den Sinn. Während Boneca keinen Durst hat, leide ich und so geht es den Herweg zurück, bis wir auf eine Anhöhe hinauf müssen. Ab jetzt mag Boneca nicht mehr. Kein Ziehen, Betteln schimpfen hilft. Ich schwanke zwischen Wut und Hilflosigkeit. Schließlich kommt mir die Idee, Boneca allein zu lassen. Da Boneca schon Angst hat wenn ich nur mal kurz in ein Geschäft gehe, könnte vielleicht so ein Sinneswandel eingeleitet werden. Ich binde Sie also an einem Bäumchen fest und entferne mich für etwa 10 Minuten. Als ich zurück komme, werde ich schon schnaubend erwartet. Boneca ist wie ausgewechselt und läuft jetzt wieder lammfromm neben mir her. Warum nicht gleich so. Wir hätten uns die fast ¾ Stunde auf diesem zugigen Hang im erfrischenden Nieselregen sparen können und wären unserem Ziel ein gute Stück näher. Wir laufen schließlich 20 nach 1 Uhr wieder zuhause ein. Boneca bekommt Ihre Portion Kraftfutter, einen Eimer Wasser und eine Möhre. Und endlich gibt’s auch Wasser für mich, der Hunger ist mir inzwischen vergangen. Ich gönne mir noch eine ausgiebige heiße Dusche und dann freue ich mich auf angenehmere Träume.

  • Claudia:

    Hallo Ralf, dann auch mal einen Kommentar von mir…
    Deine Berichte lesen sich doch ganz ansprechend, die tägliche Routine beim Verpflegen, Wundbehandeln und Verständigen (mit Mensch und Tier) läuft und allzu grosser Stress scheint nicht aufzukommen.
    Frühstückspause ist vorbei, ich wünsche dir noch eine Reise auf der du dich und den Weg immer wieder findest.
    VG Claudia
    PS Behandle bloß deinen Boneca ordentlich, der ist ja bepackt wie ein Esel ;-) und dann verraten die Fotos, dass du noch immer rauchst, oder hab ich mich da verguckt? Tststs…

  • Thomas Heil:

    jaja, Ralfi ich hab´s dir ja gesagt, Dir fehlt Training ;-) ich empfehle dir Kraftfutter mit Olivenöl :-) schein ja ein wahrhaftiges Wundermittel zu sein, hihi.

    Also denn, bin gespannt, wann es richtig losgeht, drücke dir die Daumen!!!

    Viele Grüße
    Thomas

  • Christoph:

    Hallo Ralf,

    es ist jedesmal ein Genuß Deine sehr gut und launig formulierten Berichte zu lesen! So langsam scheint es mit Euch beiden ja Fortschritte zu machen – vielleicht wird das ja doch noch eine Freundschaft für´s Leben…

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, daß Du Dich bald auf die Reise machen kannst. Wir warten sschin interessiert auf Deine nächsten Berichte.

    Liebe Grüße aus dem auch kühlen, aprilwettergeplagten Deutschland.

    Gruß

    Christoph

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