20.04.2012 Am Freitag soll man sich frei nehmen. Und so versuche ich mich erst mal, abgesehen von einer Morgenfütterung Boneca`s auszuschlafen. Meine verkaterte Muskulatur freut sich auf einen total vertrödelten Tag. Im Spa-Bereich meiner Unterkunft gönne ich mir die heißeste Dusche seit langem, gefolgt von einer Kanne Kaffee, die ich mit Blick auf die schöne Umgebung, in Begleitung einiger Rauchwaren, in aller Gemütsruhe genieße. Das Ganze könnte noch gesteigert werden, wenn dies hier nicht der höchste Punkt der Umgebung wäre. Es gibt keinen Moment an dem kein Wind herrscht. Aufgrund der hier natürlichen Kneip`schen Eiswassergüsse könnte man sich hier als Heizungs- oder Saunavertreter eine goldene Nase verdienen.

Nachmittags reißen die Wolken wieder auf und ich überlege ob ich wieder einen kurzen Trip um den Ort machen will. Eigentlich will ich nicht und so bin ich ganz froh, daß Goncalo auftaucht. Er hatte schon am Anfang einen kleinen Film mit Boneca und mir drehen wollen, was irgendwie auf tierischen Wiederstand gestoßen ist. Heute will er ein kurzes Interview mit mir machen. Ich glaube ich hätte mal besser auf die Fragen vorbereitet sein sollen, vielfach fallen mir nötige, einfachste englische Vokabeln nicht ein und so stottere ich mir ganz schön einen ab…

Hinterher gehen wir noch im örtlichen Wirtshaus einen Kaffee trinken. Die Öffnungszeiten sind hier flexibel gestaltet und es wird bei dringendem Bedarf, der angekündigt werden sollte und wenn die Wirtsleute, nach der ländlichen Arbeit, Zeit haben geöffnet. Wir haben Glück und müssen keine 10 Minuten warten, bis geöffnet wird. Goncalo hilft mir übersetzen und so erfahre ich, daß es hier eigentlich kein Essen gibt aber aufgrund einer Radsportveranstaltung am Sonntag ein Mittagstisch serviert wird. Es gibt wohl etwas mit Kichererbsen und Kotelette. Ein hiesiges Festessen, na das wollen wir uns doch nicht entgehen lassen. Ich erfahre weiterhin, daß es heute Abend in Atenor eine Party gibt und ob ich Lust habe mit zu kommen. Klar habe ich Lust, die letzten Tage waren doch sehr Boneca und vor allem wanderlastig, da bin ich doch, bevor die große Tour startet, dankbar für ein wenig mentale Zerstreuung…

Bevor die Party startet soll es ein Reisgericht mit Hase geben. Bis es allerdings soweit ist und in Portugal wird gerne mal etwas später gegessen findet man sich an der Bar ein. Ich werde von sämtlichen Mitarbeitern der Eselstation freudig begrüßt und auf ein Bier eingeladen. Nebenbei erfahre ich, daß am Wochenende ein Eselworkshop stattfinden soll. Mein anfängliches Interesse verfliegt allerdings sehr schnell, als ich erfahre daß das Thema die Verwendung des Esels in der Landwirtschaft sein soll. Zum Workshop sind auch Gäste eingeladen, die mit mir zusammen untergebracht werden sollen. Hoppala, ich habe mich inzwischen in der Unterkunft in Teixeira ziemlich breit gemacht und die Klamotten an sämtlichen Doppelstockbetten zum Trocknen aufgehängt. Ich schlage daher vor, ich sollte doch vorher noch mal bissel aufräumen, um einen nicht allzu geringen Eindruck zu hinterlassen. Und so mache ich mich mit Johanna auf, die Situation zu retten. Der schleppende bis gar nicht vorhandene Informationsfluß hier weckt Assoziationen an meine Arbeitsstelle zuhause…

Mein Zimmergenosse für die nächsten zwei Nächte wird Diego sein. Wir fahren zusammen zurück auf die Party und der Abend wird sehr schön. Ich treffe Fernandes, der in Palacoulo wohnt und in Handarbeit Taschenmesser fertigt. Auf die Frage, ob er mir ein Messer verkaufen möchte greift er kurz in sein Jackett und präsentiert mir eine Hand voll Messer. Ich erstehe ein schön gearbeitetes Taschenmesser mit einem Riss im Messingverschluß. Er erzählt mir, daß er viele Jahre in Hamburg als Uhrmacher und auch für den Ottoversand gearbeitet hat. Wir trinken einige Biere zusammen und er lädt mich für den nächsten Tag zum Abendessen ein. Ich treffe auch Ricardo wieder und wir vereinbaren für den Sonntagnachmittag eine Übungsstunde im Dudelsack spielen. Auch er war einige Zeit in Deutschland und schwärmt von Köln und der Glühwein auf den Weihnachtsmärkten hat Ihm sehr gut geschmeckt. Später am Abend eigentlich schon eher Samstag macht mich Fernandes, stolze 65 Jahre alt auf die Tanzfläche im Disco-Bereich aufmerksam. Mein tägliches Muskelaufbautraining war wirkungsvoll. Ich rocke das Haus bis mich Gonzalo von der Bühne holt und meint mich heim bringen zu müssen…

21.04.2012 Der Samstag beginnt mit Boneca`s Weckruf. Ich schleppe mich notdürftig bekleidet mit einer Ration Futter vor die Tür, warte bis Madame artig geschlemmt hat trage noch einen Eimer Wasser auf und freue mich im Geiste den gestrigen Freuden geschuldet eine Bettruhe einlegen zu dürfen. Kurz nach 10 Uhr, ich meine noch des öfteren im Schlaf Boneca`s Ruf nach Kurzweil vernommen zu haben, geht Diego`s Wecker. Er meint verschlafen zu haben, um 10 Uhr 30 würde der Workshop anfangen. Ich beruhige Ihn, wir sind in Portugal, hier fängt alles grundsätzlich viel später an. Und außerdem waren die anderen auch alle auf der Party, also überhaupt kein Grund in Panik zu verfallen, ich drehe mich nochmal um, für heute hab ich keinen Wecker eingeplant…

Irgendwann nach 11 Uhr, zu müde aufzustehen aber zu wach nochmal einzuschlafen schleppe ich mich unter die Dusche. Der Kaffee ist lediglich in der Lage meinen Wattebausch im Schädel zu dämpfen und ich mache mich daran Boneca zu satteln. Es soll über Atenor nach Palacoulo gehen. Der klägliche Versuch den Weg abzukürzen führt mich nach einem Kilometer auf eine Wiese in einem lauschigen, windstillen Tal das zur Rast einlädt. Ich gönne Boneca eine Stunde Pause. Eine lausig kalte Briese mit den Vorboten eines Regenschauers erinnert mich an unser eigentliches Ziel. Die Lust nach Abkürzungen ist mir für heute vergangen und so laufen wir, vom Wetter erfrischt, zurück zur Straße und folgen dieser nach Atenor. Das Büro des Eselverbandes ist verweist und verriegelt. Ich nutze trotzdem, auf der Treppe vor der Tür sitzend den LAN Anschluß und lade die Erlebnisse der letzten Tage auf meine Webseite.

Den frühen Nachmittag nutzend laufen wir weiter nach Palacoulo. Wieder werden wir, diesmal von Atenor, von einem Hund begleitet, der sich sofort mit Boneca angefreundet hat. Abgesehen von einer ausgiebigen Futterpause für Boneca laufen wir einen guten Schnitt von 4,8 Km/h. Wir kommen halb 6 in Palacoulo an, verabredet bin ich mit Fernandes für 7 Uhr. Ich nutze die Zeit und erwerbe in dem kleinen Laden einen portugiesischen Schafskäse, Brot und eine Karotte für eine vor der Tür lautstark um Gesellschaft bittende Dame. Die weitere Zeit schlage ich mit einem leckeren Kaffee und einem Radler im Cafe und Restaurant Burela tot. Hier sieht man mich, seit Boneca zum zweiten Mal Naturdünger vor der Tür des Hauses hinterlassen hat, nicht mehr so wirklich gerne.  Fernandes kommt dann auch schon 20 nach 7 und entschuldigt sich für die Unpünktlichkeit. Ich würde mal sagen, im portugiesischen Sinne ist er mindestens 10 Minuten vor der Zeit. Es gibt wieder viel zu essen. Die Portion Kotelette mit Pommes, großem Salat und einem Krug Wein für 7 Euro. Letzteren werden wir im Laufe des Abends noch ein paarmal nachbestellen. Es ist spät geworden und der Rückzug nach Teixeira lang. Irgendwann gegen 3 Uhr findet aber auch dieser Weg sein Ende…

22.04.2012 Wieder stehe ich für die Morgenfütterung gegen 8 Uhr nur dürftig bekleidet vor Boneca und bin in Gedanken wieder bei meinem Kuschelkissen. Wieder geht kurz nach 10 Uhr der Wecker für Diego und wieder gönne ich mir eine ausgiebige Pause der Besinnung. Ich hoffe das wird nicht zur Gewohnheit.

Um 1 Uhr soll ich zum Mittagessen im hiesigen Wirtshaus sein. Da ich noch Zeit habe, soll eine Handwäsche meinen Bestand sauberer Wäsche erweitern. Ich habe vor, aufgrund der bisherigen Trainingserfolge morgen hier die Zelte abzubrechen und gen Osten zu marschieren.

Pünktlich 1 Uhr stehe ich im Wirtshaus. Hier ist man schon dabei alles für das Essen vorzubereiten. Ich soll inzwischen schon mal am Tresen einen Aperitif zu mir nehmen. Hier trinkt man gerne einen weinhaltigen süßen Mistella, den man mit Bier auffüllt. Ungewöhnlich aber durchaus gut trinkbar. Ich nehme die Empfehlung einen zweiten Aperitif zu mir zu nehmen war und bin im Nachhinein auch ganz froh darüber. Inzwischen haben wir uns an den Tischen niedergelassen und der erste Gang wird aufgetragen. Es gibt eine Art Ragout aus Nudeln, Kichererbsen und Schwein. Alle greifen herzhaft zu und auch ich trage mir eine große Kelle auf. Ich erlaube mir eine nähere Identifikation dessen, was sich da so lecker auf meinem Teller befindet. Das sieht irgendwie aus wie kleingeschnittene Schweinsohren, diverse andere Teile von Kopf und Füßen und alles mit Schwarte dran. Geschmacklich kann man nichts aussetzen. Das ist herzhaft und lecker gewürzt. Ich werde mehrfach aufgefordert nachzufassen aber nach dem dritten Teller muß ich aufstecken. Ich bereue es, nicht mehr Platz gelassen zu haben denn jetzt werden Platten mit gegrillten Koteletts aufgetragen. Ich quäle mich noch mit einem kleinen Kotelett und wieder möchte man mich mästen aber jetzt geht bei mir überhaupt nichts mehr. Ich trinke noch einen großen Kaffee und mache mich gegen 3 Uhr heim. Die Melange aus Aperitif und diversen Schweinereien hat mich so träge gemacht, daß ich mir jetzt nur noch eine waagerechte Verdauungsposition vorstellen kann. Irgendwie habe ich auch keine Lust mehr nach Palacoulo zu laufen und so versuche ich Ricardo zu erreichen. Er informiert mich, daß er unerwartet noch einiges zu erledigen hat, mich aber später anrufen will. Im Grunde bin ich ganz froh darum, denn ich benötige die Zeit viel dringender zur Erholung…

23.04.2012 Irgendwie ist die Wäsche nicht trocken geworden. Um hier nachzuhelfen wird alles der Reihe nach und unter mehrmaligem wenden auf dem elektrischen Beistellofen drapiert. Das Gerät müht sich schon seit meiner Ankunft hier, im Dauerbetrieb, die Außentemperatur um ein bis zwei Grad abzumildern denn der Versuch ein zweites Gerät anzuschließen hat das Netz kollabieren lassen. Ich fange an zu packen, spüle, fege die Räume, sauge die Teppiche und wische nochmal gründlich durch. Um Boneca zu entlasten lasse ich alle erworbenen Lebensmittel, Getränke, Kaffeekocher etc. hier, zusätzlich habe ich mir ca. 10 Kg Ihres Gepäcks in meinen Rucksack gepackt und fange an Sie zu beladen. Heute ist Boneca wie ausgewechselt. Das fängt schon mit der Hufpflege an. Das hatte schon so gut geklappt und jetzt ist es wie beim allerersten Mal. Auch der Sattel ist heute ein Problem. Zuletzt hat Sie das Satteln geduldig über sich ergehen lassen und jetzt versucht sie mir immer wieder zu entwischen.

Um 1 Uhr kommen wir endlich los und erreichen Atenor am frühen Nachmittag. Ich hatte gehofft Nuno anzutreffen, da ich mit Ihm einige Verbesserungen an dem Sattel durchgehen wollte. Er ist mit Miguel unterwegs, er kann aber am frühen Abend vorbei kommen ich würde ja heute bestimmt nicht weit kommen. Ich beschließe am Ortsrand mein Lager aufzuschlagen und gebe sicherheitshalber zum besseren Auffinden den Standort durch. Als ich bis 6 Uhr noch keinen Besuch erhalten habe, mache ich mich mit Boneca nochmal zurück, um Wasser zu kaufen. Entgegen der Öffnungszeit ist der Laden geschlossen und ich versuche mein Glück im Gasthaus. Hier treffe ich auch Nuno an, der mir verspricht morgen vorbei zu schauen, wir vereinbaren 9 Uhr bei mir am Lagerplatz. Ich bleibe noch auf ein Bier und auf dem Rückweg darf Boneca zur Belohnung für das geduldige Warten nach Herzenslust am Wegesrand naschen. Meine erste Nacht im Zelt wird mit einem zischenden Geräusch eingeleitet. Die Ursachenforschung läßt den Grund in meiner komfortablen Luftmatratze finden.  An einem der Ventile hat sich eine Bruchstelle ergeben und binnen kürzester Zeit liege ich nur noch auf dem wenig belastbaren Schaumstoffkern, der für den Selfinflating-Effekt verantwortlich ist. Die Nacht wird mit den Geräuschen des Waldes und des nahen Ortes vermischt. Ich höre noch lange Boneca vor dem Zelt naschen und auch das Fallen einiger Äpfel entgeht mir nicht. Am schlimmsten ist der mangelnde Liegekomfort. Ich werde bei jedem Versuch meine Position zu verändern wach.

24.04.2012 Gegen 8 Uhr hole ich Wasser vom nahen Bach. Boneca scheint aber die ganze Nacht frisches Gras gefressen zu haben und hat keinen Durst. Ich hoffe, daß Nuno wenigstens halb 10 kommt und der Sattel reisefertig gemacht werden kann. Ich mache mich schon mal abmarschbereit. Als ich um 11 Uhr noch keinen Besuch bekommen habe, packe ich meine Sachen und mache mich zur Eselstation auf. Auch hier ist kein Nuno anzutreffen, er war aber schon da und wird vielleicht heute Nachmittag wieder kommen. Ich glaube ich werde langsam sauer. Miguel trifft ein und begrüßt mich mit einem todo bene? Ne Miguel, nada bene, ich versuche seit zwei Tagen Nuno hinterher zu laufen. Er versucht mich zu beruhigen er kommt sicher in ein oder zwei Stunden. Ein Blick in mein Gesicht verleitet Ihn zu der Äußerung vielleicht kommt er auch in einer halben Stunde. Ich frage Ihn, ob er eine Bohrmaschine hat. Ich mache es auch notfalls alleine. Ich möchte mich nur langsam auf den Weg machen. Mich zieht es langsam aber sicher auf meine Tour. Mit Miguel fahre ich daraufhin zu Ihrem Lager für allerlei Gerätschaften und Futtermittel, erhalte eine Black und Decker Bohrmaschine und eine Dose mit Bohrern. Er drückt mir noch einen Wagenschlüssel in die Hand. Er hat keine Zeit und muß jetzt dringend zu einem weiteren Meeting. Also fahre ich zurück zur Eselstation, ich hatte schon angefangen den Sattel zu zerlegen. Jetzt muß ich nur noch die Sattelbögen um entsprechende Bohrungen erweitern, damit ich die Bögen bei Bedarf enger stellen kann. Ich habe das Gefühl Boneca ist schon etwas schlanker geworden und die Bögen sind mittlerweile in Ihrer engst möglichen Position. Ich bin gerade fertig, da heißt es Mittagessen. Es ist kurz nach 2 Uhr und Johanna nimmt mich zum Essen mit.

Nach dem Essen aber mal schnell zurück und die Sachen gepackt. Während Johanna anderen Verpflichtungen folgend schon weg mußte, werde ich von zwei Tierpflegerinnen zum Büro zurück gebracht. Hier stellt sich heraus, daß Johanna den Schlüssel zum Büro mitgenommen hat und ich warten muß, bis sie zurück ist. Irgendwie ist der Wurm drin, ich komme einfach nicht vom Fleck.

Kurz nach 4 Uhr kann es dann endlich los gehen. Gesattelt und froh darüber alles erledigt zu haben, laufen wir aus Atenor Richtung Sendim. Kurz nach 5 Uhr finden wir eine schöne Weidefläche für Boneca und ein ruhiges Plätzchen für mich. Es kommt sogar noch etwas Sonne auf und ich beschließe ein Lagerfeuer vorzubereiten. Die Wolken haben sich schließlich gänzlich verzogen und so beschließe ich, mir das Zelt zu sparen und im Freien zu übernachten. Ich mache mir zum Abendbrot Röstbrot und auf der Astgabel lasse ich Chorizo und Käse schmoren. Es macht mir besonderen Spaß auf der einen Seite der Astgabel ein Stück Wurst auf der anderen ein Stück Käse steckend das Ganze so über der Glut zu grillen, bis der Käse langsam auf die Chorizo tropft. Einfach lecker. Inzwischen ist es dunkel geworden, ich fache nochmal das Feuer an und verkrieche mich in meinen Schlafsack, warte bis die Flammen das letzte Holz verzehrt haben und schlafe dann auch sehr schnell ein. Die Nacht ist kalt und wieder werde ich irgendwann nach 3 Uhr immer wieder bei jedem Wendemanöver wach.

25.04.2012 Um 8 Uhr erinnern mich die ersten Tropfen daran, daß wir weiter wollen. Jetzt aber mal schnell fertig machen, ich merke jeden Knochen, jede Faser meiner Muskulatur. Irgendwie beneide ich an dieser Stelle Boneca, die schon früh wach war und sich gleich wieder über Wiese und Sträucher her gemacht hat. Ihre Morgentoilette fällt doch wesentlich einfacher aus. Auch heute macht Sie mir wenig Freude bei der Hufpflege. Sie hat sich angewöhnt bei der Gelegenheit nach mir zu beißen. Um 10 Uhr kann es endlich los gehen. Frischer Wind bringt erfrischenden Nieselregen und wir ziehen weiter Richtung Sendim. Der Tag ist durchwachsen und Boneca erhält immer wieder Gelegenheit den Straßenrand nach Gras, Kräutern und leckeren Büschen oder Bäumchen abzusuchen. Eine Schafherde und die dazugehörigen Hunde machen Boneca nervös. Sie wechselt von Panikattacke und ruckartigem Scheuen, wodurch der Sattel in bedenkliche Schieflage gerät und ich das Ganze wieder richten muß und ich bleibe jetzt hier stehen bis ich weiß ob Schafherden und dazugehörige Hunde eher gut oder böse sind, ab. Da ich weitere Panikattacken vermeiden möchte, versuche ich Sie weiter zu bewegen. Dies gelingt mir immer nur stückchenweise. Sie bleibt immer wieder stehen, um zu beobachten, wie weit die langsam nachfolgende Schafherde denn ist. Gegen halb 1 Uhr mag Boneca überhaupt nicht mehr weiter. Es zieht ein immer stärker werdender Wind auf, der auch schwere dunkle Wolken mit sich führt, die dann auch Ihr Versprechen von Starkregen prompt halten. Das Wetter hier ist zuverlässig, kalt und rau. Ich versuche wieder den Trick mit dem Anbinden und kurz alleine lassen. Diesmal wirkt das Ganze nur noch etwa hundert Meter weit. Ich bin inzwischen komplett durchnäßt und die Hose klebt mir an den Beinen. Wenn hier nicht noch zusätzlich ein Wind ginge, der durch Mark und Bein geht oder wir zumindest weiter laufen würden hätte ich damit kein Problem. Ich bin schon öfter nass bis auf die Haut, gelaufen bis ich wieder trocken war. Hier herrscht Stillstand und ich beschließe Boneca den Wanderstock, den ich mir heute Morgen geschnitten habe zu zeigen. Sie ist unbeeindruckt schließlich habe ich sie nie geschlagen. Auch die Andeutung schlagen zu wollen zeigt keine Wirkung, Boneca zuckt nicht mal mit der Wimper, schaut mich vielmehr interessiert an. Warum machst Du es mir nur so schwer? Ich gebe Ihr mit dem Stock einen Klaps auf den Po und Sie macht einen Schritt, ich gebe Ihr einen stärkeren Klaps und schon zeigt das Wirkung. Ab jetzt reicht die Andeutung und
Boneca bewegt sich vorwärts. Ich fühle mich schlecht, hatte ich mir doch vorgenommen niemals einen Stock zu verwenden und Ihre Erinnerung daran verblassen zu lassen…

Um halb zwei erreichen wir Sendim, es hat sich inzwischen eingeregnet. Gleich am Ortsrand bin ich froh jemanden zu sehen und so frage ich gleich, ob man mir weiterhelfen kann, für heute eine Bleibe für Boneca und mich zu finden. Anfänglich reserviert, erkläre ich, bereit zu sein für eine entsprechende Unterkunft zu zahlen. Man spricht hier französisch und gibt mir zu verstehen, daß ich jetzt erst mal mit kommen soll, es gibt Mittagessen. Ich insistiere, ich habe da noch einen nassen und frierenden Esel. Das mit dem Frieren wird irgendwie falsch verstanden, der Patron zieht sofort los und holt für den offenen Kamin einen riesen Packen Reisig und Holz und feuert entsprechend ein. Ich soll mich vor dem Kamin platzieren. Ich meine meinen Esel vor der Tür! Die Esel hier seien Regen und Unwetter gewöhnt, sein Vater hatte auch Esel. Ich kann Immerhin dafür sorgen, daß der Esel hinters Haus in den Windschatten geführt wird und ich einiges an Gepäck abladen kann. Jetzt heißt es aber zu Tisch. Während des Essens werde ich gefragt, ob ich ein Messer habe. Claro, ich zücke das von Fernandes erstandene Taschenmesser. Dieses wird staunend begutachtet und gleich gefragt, wie ich denn daran gekommen bin. Fernandes verkauft schließlich nicht viele Messer und schon gar nicht an jeden. Irgendwie habe ich das Gefühl hier in der Region kennt jeder jeden. Ich erzähle, daß er mich sogar zum Essen eingeladen hat, da ich deutscher bin und er lange in Deutschland gearbeitet hat. Ja stimmt, Fernandes spricht ja auch deutsch. Nach dem Essen werde ich aufgefordert zu folgen. Ich werde mit dem Wagen zu einem Stall gefahren, in dem zwei kleine Schweine gehalten werden. Im Vorraum ist genügend Platz für Boneca. Auf die Frage, ob dies für den Esel reicht, sage ich sofort begeistert zu. Auf die Frage, ob ich ein Bett brauche sage ich mir reicht hier ein Plätzchen im Stall. Ich werde daraufhin in einen anderen Bereich des Stalles geführt, in dem Futtermittel und Holz gelagert wird. Hinter der nächsten Tür im angrenzenden Stallbereich werden Hühner und Tauben gehalten. Ja, hier geht das ganz in Ordnung, Hauptsache trocken. Wir fahren zurück und ich erhalte die Warnung, kein Feuer! Bei dem vielen Stroh im Stall, durchaus zu verstehen. Boneca wird beladen und wir machen uns auf den Weg zum Stall. Der Patron folgt uns kurz darauf mit dem Moped, kommt vor uns an und so finden wir für Boneca schon ein Lager mit Stroh vorbereitet vor. Ich reibe Boneca mit dem trockenen Stroh ab und werde darauf hingewiesen, daß ich zum Abendessen eingeladen bin, heute würde Bayern München Fußball spielen und ich soll mir auch das Spiel anschauen. Aha, na gut, wenn’s denn Freude bereitet, daß ich mir das Spiel anschaue… Ich soll um 6 wieder kommen. Ich mache noch eine kurze Siesta im Stroh. Das Ganze hat Premierencharakter, ich schlafe das erste Mal in meinem Leben in einem Stall. Gegen 4 Uhr mache ich mich auf den Weg ins Zentrum von Sendim. Hier trinke ich am Marktplatz einen Kaffee und eine Limonade, erstehe im nächsten Laden zwei verschiedene Flaschen Wein, die mir hier empfohlen werden. Ich möchte nicht mit leeren Händen zum Abendessen erscheinen. Pünktlich um 6 bin ich wieder zurück. Hier erfahre ich den Grund der Nachfrage ob ich ein Taschenmesser habe. Hier werden Taschenmesser hergestellt und die Produktion, in Handarbeit, ist in vollem Gange. Ich schaue dem Ganzen interessiert zu und mir werden die verschiedenen Produktionsschritte erklärt. Na klar, ich kann selbstverständlich noch ein Zweitmesser gebrauchen! Als es zum Essen gehen soll, erkläre ich, daß ich Wein gekauft habe, den wir zum Abendessen trinken können. Die erste Flasche wird bestaunt, ja der der Wein ist gut. Die zweite Flasche führt eher zu einem Stirnrunzeln. Ich bekomme erklärt, daß dies sein eigener Wein sei. Hier auf der Flasche, der Name Torres, das ist er selbst. Na toll, da haben wir doch wieder mal einen Fettnapf gesucht und gefunden. Die erste Flasche geht in Ordnung, die Zweite soll ich behalten. Jetzt geht es vor dem Essen erst mal in den Weinkeller. Im Probierstübchen bekomme ich einen selbst erzeugten Porto kredenzt. Es wird ein ansehnliches Stück selbst geräucherten Schinken vom Knochen geschnitten und zum Porto gereicht. Klasse! Zusammen mit dem zarten Schinken schmeckt der liebliche Port unglaublich gut. Jetzt geht es aber zum Abendbrot. Mehr als satt wird beschlossen, daß wir uns das Spiel im Cafe ansehen sollen. Also geht es erst mal in ein Cafe, das weit abseits vom Zentrum liegt. Der Wirt hier spricht ebenfalls deutsch, was die Bestellung wiederum vereinfacht. Ich trinke Bier und als Snack werden eine Art gesalzene gelbe Bohnen gereicht. Ich kann dem nicht viel abgewinnen. Bei allen anderen sind diese Bohnen der Renner, und ich werde immer wieder aufgefordert zuzugreifen. Irgendwann nach dem Spiel, ich habe das Ganze irgendwie nicht verstanden, ich dachte wir hätten verloren, es stand schließlich 2 zu 1 wurde noch ein 11 Meterschießen ausgeführt, geht es auf den Heimweg. Naja, Fußball und ich…

26.04.2012 Eigentlich wollte ich um 8 Uhr schon auf dem Weg sein, jetzt ist es 8 und ich quäle mich aus meinem Schlafsack. Boneca hat die ganze Nacht über Stroh geknuspert, wann schlafen Esel eigentlich? Sie erhält Ihre Portion Kraftfutter und den Eimer Wasser, der allerdings kaum beachtet wütend umgestoßen wird. Wir sind heute wieder unleidlich. Beim Versuch der Hufpflege werde ich herzhaft in den Oberschenkel gebissen. Ich halte Ihr den Hufschaber vor die Nase und werde kräftig in die Hand gebissen, daß es blutet. Hoffentlich wirkt hier meine Tetanusimpfung…

Meister Torres überrascht mich bei der Morgentoilette kurz vor 9 Uhr. Er will gar nicht stören und ist nur gekommen seine Tiere zu füttern. Das Satteln bereitet heute wieder besondere Mühe. Nach dem Satteln erhält Boneca Gelegenheit sich über das Grünzeug angrenzender Wiesen herzumachen. Um 11 kommen wir langsam in Fahrt, bei den Torres bedanke ich mich nochmals für die Gastfreundschaft und dann kann’s losgehen. Langsam trödeln wir Richtung Urros. Was jetzt passiert ist vollkommen unerwartet für mich. Boneca legt sich mitsamt dem kompletten Gepäck auf einem Wiesenstück ab, auf dem ich Ihr wieder mal Gelegenheit gegeben habe Ihrem Grundbedürfnis zu frönen. Ich beeile mich sie abzusatteln. Ich kann die Situation irgendwie nicht einschätzen. Wir sind nicht mal 3 Kilometer gelaufen. Ich mache mir Gedanken. Was habe ich denn falsch gemacht? Habe ich Ihr immer noch zu viel Gepäck aufgebürdet? Muß ich Ihr mehr Kraftfutter geben? Oder will Sie einfach auch nur mal Siesta halten? Ich gebe Ihr fast zweieinhalb Stunden sich zu erholen, gebe Ihr meinen Vorrat Mineralwasser, das aber verweigert wird. Irgendwann habe ich vom Rasten genug, das Satteln wird wieder mit Beißversuchen begleitet. Wenn das so weitergeht, wird die Tour eher eine Tortur. Ich fange an Bonecas Eignung als Packesel zu zweifeln. Inzwischen fängt es wieder an zu regnen und wir machen uns schließlich, diesmal ohne Zwischenfälle auf nach Urros. Hier frage ich diesmal im nächsten Cafe (Cafe`s sind hier in Portugal mit unseren einfachen Kneipen ohne Restauration gleichzusetzen) nach der Möglichkeit für eine Übernachtung für meinen Esel und mich und wo denn das nächste Restaurant zu finden ist. Ein Restaurant gibt es nicht hier am Ort. Für die Übernachtung wird ein intensives Palaver mit den Umstehenden abgehalten. Schließlich wird der Bürgermeister angerufen denn es gibt hier eine offizielle Übernachtungsstelle. Gemeinsam mit dem Bürgermeister werde ich zur Herberge geführt, hier wird Boneca entladen, danach kommt Boneca`s Herberge dran. Wieder geht der Zug zu einem Stall. Hier wird Boneca neben ein Pferd eingestellt und der Trog mit knusprigem Heu gefüllt, das sofort in Angriff genommen wird. Nach dem Wässern überlassen wir Boneca in Gesellschaft des Pferdes der Nachtruhe. Jetzt geht es erst mal zum Besitzer des Stalles. Manuel ist der Bruder vom Bürgermeister Armandes Gonzales. Ich erhalte selbstgemachten Rotwein der noch lecker perlt und selbstgeräucherten Schinken und Brot. Wieder ist alles unglaublich lecker. Ich werde gefragt ob ich noch etwas essen möchte. Na klar will ich. Also setzt sich der Zug wieder in Bewegung, nachdem mein Gepäck in der Unterkunft verstaut ist werde ich ins örtliche Altenheim geführt. Hier wird mir ein Abendessen bestehend aus Gemüsesuppe, Stockfisch mit Kartoffeln und zum Abschluß Obst organisiert. Das Ganze wird mit einem einfachen Landwein begleitet. Nach dem Abendessen gönne ich mir noch zwei Kaffees und begebe mich in mein neues Domizil. Hier gehe ich nochmals mein gesamtes Gepäck durch und wähle wieder einige Teile aus, hier zu bleiben. Die Unterkunft verfügt über eine Waschmaschine. Ein kurzer Blick auf die Straße, es hat sich inzwischen eingeregnet, und ich beschließe Boneca und mir einen Tag Auszeit zu gönnen. Die gebrauchte Wäsche wandert in die Waschmaschine und nach einer ausgiebigen und heißen Dusche geht’s für mich ins Bett.

27.04.2012 Die Idee hier einen Tag zu verlängern war gut. Es regnet. Ich begebe mich zu Boneca, treffe Manuels Frau an und erkläre Ihr, daß ich einen Tag länger hier bleiben möchte, das ist kein Problem. Boneca ist versorgt, ich reiche Ihr noch einen Eimer Wasser, der begierig aufgenommen wird. Die Hufpflege gestaltet sich schwieriger und wird mit Aggressionen begleitet. Um 9 Uhr gibt es Frühstück im Altenheim. Es gibt eine Art Softbrötchen mit Butter und eine Schale Milchkaffee. Hinterher geht’s noch auf einen großen Kaffee, ins Cafe und dann heim. Ich nutze den Tag mein vernachlässigtes Reisetagebuch zu aktualisieren. Irgendwie habe ich mir das doch alles ganz anders vorgestellt. Boneca und die Erlebnisse nehmen mich derart in Anspruch, daß ich kaum dazu komme alles zeitnah niederzuschreiben. Dieser Regentag kommt mir daher wie gerufen. Der Tag wird lediglich durch das Mittag- und Abendessen und anschließende Besuche bei Boneca unterbrochen. Selbst die Fellpflege wird mit Beißversuchen begleitet. Gegen Abend hört der Regen auf und ich hoffe das bleibt auch für morgen so. Ich lasse den Abend mit dem Netbook im Cafe sitzend ausklingen. Leider ist hier Internet keine Selbstverständlichkeit aber beim Bürgermeister den ich morgen vor der Weiterreise noch besuchen werde, soll es einen Internetzugang geben. Ich mache mir Gedanken um Boneca`s Wesensänderung.

28.04.2012 Ich stehe heute kurz vor 9 Uhr auf, genieße eine lange heiße Dusche und packe meine Klamotten zusammen, die ich wieder großzügig in meiner Herberge zum Trocknen verteilt habe. Die schlimmste Unordnung ist beseitigt und ich widme mich meinem Bartwuchs. Ich habe gerade den Großteil meiner Stoppel beseitigt als ich ein heftiges Klopfen an der Tür vernehme. Es ist inzwischen 10 Uhr und ich hatte dem Bürgermeister gestern noch versprochen um 10 Uhr vorbeizukommen und die Unterkunft zu bezahlen. Der Bürgermeister gibt mir zu verstehen, „der Bürgermeister hat beschlossen, daß ich nichts bezahlen soll“. Momente mal. Ich denke Du Armando Gonzales bist der Bürgermeister!?!? Nein, er ist in Abwesenheit des Bürgermeisters der Stellvertreter des Bürgermeisters. Er hat dem Bürgermeister von mir berichtet und da hat der Bürgermeister beschlossen, ich bin eingeladen und soll nichts bezahlen. Na wenn ich das vorher gewußt hätte, da hab ich ja jede Menge nicht und noch viel mehr falsch verstanden… Ich liebe Portugal. Diese Gastfreundschaft könnten wir in Deutschland auch gebrauchen! Mit Rasierschaum im Gesicht gebe ich zu verstehen, daß ich noch etwa eine Stunde brauche. Kein Problem, tranquilo oder so… Mir fällt das mit dem Internet ein, ich wische mir den Schaum aus dem Gesicht, schnappe mir mein Netbook und Armando und schleppe beide zum Büro des Bürgermeisters. Wir sitzen und stehen gespannt um meinen Computer aber die Internetverbindung will und will nicht zustande kommen. Zum Trost lade ich zu einem Kaffee ein.  Inzwischen meldet sich Gonzalo per sms. Er hat meine sms nicht verstanden. Ich rufe Ihn an und erkläre Ihm, daß ich meine Sachen nicht vergessen habe sondern meine Sachen hier lassen möchte, damit Boneca weniger schleppen muß. Er will in etwa einer Stunde kommen und die Sachen abholen. In aller Gemütsruhe trage ich meine Sachen zum Verladen vor die Herberge und begebe mich zu Boneca. Sie ist zusammen mit einem Pferd im Stall eingestellt. Ich will gerade Boneca an dem Pferd vorbei führen, da scheut das Pferd wegen mir und Boneca, tritt aus und mir gegen das rechte Knie. Ich weiß vor Schmerzen nicht wohin mit mir und Boneca, mache Sie notdürftig an einer Egge fest und humpel wie ein einbeiniger Zinnsoldat meine Sinne suchend durch den Stall.

Es hilft nix wir müssen weiter. Langsam geht es jetzt zur Herberge, unterwegs treffen wir Armandos Bruder, Manuel Maria Gonzales, der für Boneca`s Unterkunft und Verpflegung ebenfalls nichts haben möchte. Ich bedanke mich aufs herzlichste und mache Boneca vor der Herberge fest. Ei verbibsch, wo habe ich bloß meine Gedanken! Ich wollte doch noch meinen Vorrat lebenszeitverkürzender Rauchwaren aufstocken. Am Cafe treffe ich auf Gonzalo, der gerade angefahren kommt. Wir nutzen die Gelegenheit und trinken schnell noch einen Kaffee, dann geht es an die Übergabe der hierzubleibenden Gepäckstücke. Gonzalo hat seine Kamera mitgebracht und filmt wie ich Boneca belade. Jetzt sieht das Ganze weit weniger imposant aus. Boneca, jetzt im Mittelpunkt stehend, ist heute wie ausgewechselt und so brav wie seit Tagen nicht mehr. Gonzalo möchte unseren Marsch nach Bemposta begleiten und uns immer wieder filmen. Den ersten Kilometer geht das Ganze noch sehr gut. Gonzalo packt seine Kamera wieder ein und fährt wieder einen knappen Kilometer voraus, um sich wieder mit der Kamera zu postieren und unseren Vorbeimarsch zu filmen. Kaum ist Gonzalo aus unserem Blickfeld entschwunden, bleibt Boneca stehen und wieder gibt es kein noch so liebes Wort sie weiter zu bewegen. Nun, dann legen wir halt eine Naschpause ein. Nach einer geschlagenen halben Stunde beschließe ich eine neue Trainingsmethode zu versuchen. Ich mache Ihre Leine am Sattel fest und gehe einfach alleine weiter. Boneca, die mich langsam entschwinden sieht läßt Ihre leckeren Gräser links liegen und folgt mir dann doch unaufgefordert. Das klappt unglaublich gut, da hätte ich bloß mal früher drauf kommen sollen! Mal läuft sie ein Stückchen vor, läßt mich überholen und folgt dann wieder um aufzuholen. Da wir beide unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten haben, ist dies wohl auch die beste Art zu reisen. Ich hoffe nur, daß sich das auch langfristig bewährt…

Kurz vor Bemposta läßt sich Boneca wieder artig an die Leine nehmen und so gehen wir auf die Suche nach einer Herberge für Boneca und mich. Im Residencial Sol E Mar werden wir fündig. Die Großmutter des Familienbetriebes ist stolz darauf, fünf Jahre in Deutschland gearbeitet zu haben. Es gibt auch einen Stall, der allerdings zwei Kilometer entfernt ist. Kein Problem, wandern ist unsere Spezialität! Boneca wird entladen und wir machen uns auf den Weg. Die genannten zwei sind eher gefühlte vier Kilometer aber was solls, ich bin froh Boneca in einem Kuhstall mit gefüllter Raufe und einem Eimer Wasser gut aufgehoben zu wissen.

Gonzalo möchte morgen noch meinen Grenzübergang filmen. Nach einem Snack mache ich mich mit Gonzalo auf, die morgige Strecke abzufahren. Leider gibt es keine Abkürzung und auch keinen geeigneten Feldweg für uns. Wir werden morgen auf der Straße laufen, da können wir das Experiment ohne Leine zu laufen wohl leider nicht wiederholen…

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