29.04.2012 Wie verabredet ist Goncalo schon um 9 Uhr da und wartet schon mit einem Kaffee auf mich. Kurz darauf geht es zum Stall Boneca abholen. Wieder hier beladen wir sie und am späten Vormittag kann es los gehen. Die ersten Kilometer läuft Boneca artig an meiner Seite aber als wir die erste Hälfte des Weges bis zur Grenze hinter uns haben, bleibt sie wieder stehen und möchte Zerstreuung in Form von Gräsern und den jungen Trieben am Wegrand stehender Bäumchen und Büsche. Ich versuche die Karottennummer. Sie bekommt ein Stück Karotte und den Rest in respektablem Abstand vor die Nase gehalten. Die Karottennummer zieht nicht ganz einen halben Kilometer dann ist wieder Stillstand und Naschpause angesagt. Und so zockeln wir der Grenze entgegen, immer gefolgt von Goncalo der immer wieder einen neuen Punkt aufsucht uns zu filmen…

Endlich, der Grenzübergang ist geschafft und der Douro überschritten. Die letzten Meter waren wirklich eine Quälerei. Zur Verabschiedung von Goncalo treffen wir uns auf dem verweisten Parkplatz der ehemaligen spanischen Grenzstation. Hier rauchen wir noch die ein oder andere Zigarette zusammen und finden noch das ein oder andere Gespräch. So findet er die mafiosen Strukturen der portugiesischen Politik nicht gut. Jeder Politiker findet beispielsweise nach seiner Amtszeit eine sehr gute Anstellung in einem der großen portugiesischen Unternehmen. Wenn ich da an Deutschland denke, ist es bei uns ja doch verglichen damit ganz anders. Sind denn bei uns nicht sämtliche Politiker in wichtigen Ämtern gleichzeitig auch in den verschiedensten Aufsichtsräten einschlägiger Aktiengesellschaften? Und das noch während ihrer Amtszeit?

Frühen Nachmittag geht es dann weiter. Wir wollen heute Fermoselles erreichen. Jetzt folgt der lange Aufstieg, in nicht enden wollenden Serpentinen schlängeln wir uns den Weg hinauf. Wir haben nicht mal die Hälfte des Aufstiegs hinter uns da ziehen schwere Wolken auf und immer stärker werdender Wind treibt sie immer schneller auf uns zu. Der unvermeidliche regen setzt dann auch bald ein und ich möchte uns unter einen großen Olivenbaum retten aber Boneca findet diese Idee überhaupt nicht gut. Nervös, wohl aufgrund des starken Regens, möchte sie jetzt weiter. Kein Stück Äpfelchen kann sie beruhigen und so gebe ich mich geschlagen. Binnen kürzester Zeit klebt mir die nasse Hose an den Beinen und irgendwann setzt das schmatzende Geräusch der Feuchtigkeit in meinen Schuhen zum Rhythmus meiner Schritte ein. Nach der letzten Anhöhe finden wir einen Feldweg parallel zur Hauptstraße und ich lasse Boneca frei laufen. Der Feldweg ist ein einziger Rinnsal aber ich genieße es endlich meinen eigenen Schritt laufen zu können. Noch sind wir weit davon entfernt als Team durch die Welt zu ziehen, aber auf Feldwegen kann Boneca mal vor, mal hinter mir nach Herzenslust naschen. Sie achtet dabei immer auf, daß der Abstand zwischen uns nicht zu groß wird.

Etwa anderthalb Kilometer vor Fermoselles kommen wir wieder auf die Hauptstraße. Hier treffe ich auf einen Schäfer der ein kleines Schwätzchen mit mir halten will, das aber aufgrund unterschiedlicher Sprachen doch eher kurz ausfällt. Wir ziehen weiter, der Regen hat inzwischen aufgehört und so können wir uns langsam trocken laufen.

Keine 300 Meter vor dem Ort taucht plötzlich ein älterer Volvo Kombi auf, das Seitenfenster wird heruntergelassen und ich werde von einer Frau auf Englisch angesprochen. Der Schäfer habe sie angerufen, hier sei ein Engländer unterwegs, der offensichtlich verloren gegangen ist. Nun, ich bin ein Deutscher und auch nicht verloren gegangen. Aber vielleicht kennt Sie jemanden, der für meinen Esel einen Stall hat und eine Herberge in der ich Unterkunft finden kann. Es folgt eine längere Pause des mobilen Telefonierens und dann werde ich angewiesen an der nächsten Querstraße rechts hoch bis zu einer Adlerstatue zu laufen. Dort soll ich dann warten. Na, das klingt doch ganz hoffnungsvoll. An der Statue werde ich dann auch irgendwann abgeholt. Die nette Frau heißt Charlotte, Sie lebt hier mit Ihrem kleinen Sohn Mateo und produziert hier eigenen Wein, Olivenöl und Weinessig. Boneca wird auf der Wiese hinter Ihrem Haus mit meiner langen Eselleine festgemacht und wir begeben uns in die Innenstadt. Hier ist heute ein Festival alle gewerblich vermieteten Betten sind ausgebucht, ich könne aber in Ihrem Gästezimmer schlafen. Danke! Einer der Nachbarn hat einen Stall für seine Pferde. Er spielt auf dem Festival eine Große Trommel und deswegen sind wir jetzt auf dem Weg dorthin. Das Festival ist bereits in vollem Gange. Es werden folkloristische Tänze mit und ohne Stöcke aufgeführt. Besonders schwierig scheint mir der Tanz um eine Flasche zu sein. Hierbei wird ohne nach unten zu sehen immer schneller um eine Flasche getanzt mit dem Ziel diese nicht umzustoßen.

Nach den Tanzvorführungen geht es noch auf ein Bier in die verschiedenen Bars. Das Schöne an Spanien sind die verschiedenen Angebote von Tapas und in jeder Bar gibt es etwas anderes… Ich merke ich habe Hunger, dem ich hier langsam aber gründlich entgegenwirke. Beim Wechsel der Bar treffen wir auf den Nachbarn mit dem Pferdestall. Einen Esel? Nein ein Esel kommt nicht in seinen Stall, außerdem brauchen Esel keinen Stall, die stellt man draußen auf eine Weide! Wir machen uns zunächst auf die nächste Bar zu besuchen. Irgendwann stößt auch der Schäfer Armando hinzu. Er erzählt Charlotte, daß mein Esel in den Straßen umherirrt. Charlotte hat Angst um Ihren Gemüsegarten und so machen wir uns schnellstens auf die Suche nach Boneca. Wir finden Sie vor Ihrem Haus stehend die Eselleine mehrfach um einen Laternenpfahl geknotet. Sie hat die beiden Riegel der Eselleine zerbrochen. Charlotte hilft mir mit einem Karabinerhaken aus und wir schaffen Boneca wieder auf die Wiese. Jetzt aber mal schnell wieder an den angenehmen Tapas-Abend anknüpfen… Armando ist noch da und bietet für Boneca eine Unterkunft an, die ich gerne annehme. Ich bin zufrieden und inzwischen auch wieder getrocknet. Die nächste Runde geht auf mich.

30.04.2012 Um 9 Uhr geht es Boneca, am Schafstall etwa 2 Km vom Ort gelegen, abzuholen. Wir sind dann auch gegen halb 11 wieder zurück und ich freue mich schon, das verschobene Frühstück nachzuholen. Charlotte gibt mir noch die Empfehlung bei Pedro in Monleras vorbei zu schauen und wir tauschen Mailadressen aus. Ich lasse mir noch den Weg zur Eisenwarenhandlung, dem spanischen Pendant unserer Baumärkte, erklären und dann mache ich mich mit Boneca über die Ferreteria in Fermoelles, in der ich zwei stabile Karabinerhaken erstehe auf den Weg. Heute soll es nach Trabanca gehen. Charlotte hat mir hier ein Restaurant empfohlen das richtig gut sein soll. Also wenn das kein Tagesziel ist? Ich habe schon ewig keine Lammkotelette mehr gegessen, mit viel Knoblauch und Rosmarin, darauf werde ich heute Abend bestehen! Charlotte hat mir ebenfalls empfohlen die Route über den Staudamm zu nehmen, die ist viel schöner, als direkt nach Trabanca zu laufen.

Und so geht es über Umwege immer die hiesigen Feldwege nutzend Richtung Staudamm des Embalse de Almendra. Der Staudamm ist riesig und es dauert einige Zeit Boneca zu begeistern den Weg über den Staudamm an der Leine zu bewältigen. Sie ist immer noch überzeugt, wenn Sie an der Leine Läuft, dann bestimmt Sie wann und vor allem wie schnell gelaufen wird. Wir liegen noch sehr gut in der Zeit und so habe ich es überhaupt nicht eilig. Nach dem Staudamm nehmen wir einfach wieder Feldwege und dann sollte es eigentlich ganz schnell gehen.

Irgendwie sind die Feldwege heute gegen uns. Alle laut Navi geeigneten Feldwege sind mit Stacheldraht eingezäunt. Überhaupt scheint sich hier einiges getan zu haben nach Erstellung des Kartenmaterials. Hier stimmt irgendwie sehr wenig mit meinem Navi überein und so laufen wir weiter Richtung Almendras. Den ersten halbwegs geeigneten Feldweg nutzen wir und ich freue mich, Boneca endlich von der Leine nehmen zu können. Rechts von uns entpuppt sich das eingezäunte Terrain als Pferdeweide und es kommen drei schöne Pferde angaloppiert. Wir stellen jetzt fest, daß Boneca Angst vor Pferden hat und ich bemerke, daß Boneca schier unerschöpfliche Kraftreserven besitzt. Sie läuft im Galopp wie der geölte Blitz und läßt mich hier bei den Pferden stehen. Ich sehe sie noch in vollem Lauf am Horizont entschwinden und laufe Ihr langsam nach…

Nach ca. 2 ½, 3 Stunden des Herumirrens im spanischen Hinterland, sehe ich einen Geländewagen auf mich zukommen. Ich winke Ihn zu halten und der Herr kurbelt das Fenster herunter. Ich frage, vista un burro? Und erhalte ein si, si als Antwort. Die schnelle Verkettung der folgenden Worte verstehe ich zwar nicht mehr aber ich soll jetzt schnell einsteigen was ich dann auch artig befolge. Während der Fahrt frage ich ob man denn auch englisch spricht und das ist zu meiner Überraschung sehr gut der Fall und so erfahre ich, daß Boneca auf der Landstraße aufgegriffen wurde und sich wohl auf dem Rückweg befand. Kurze Zeit später finde ich sie an einer Straßenlaterne vor dem Haus des netten Mannes angebunden vor. Ich muß sie absatteln um die Halterung für die Packtaschen richten zu können, sie sind total verbogen. Mangels Werkzeug dengel ich diese mit einem Stein notdürftig wieder in eine geeignetere Position, um Boneca wieder beladen zu können. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, daß wir uns jetzt beeilen sollten, wenn wir in Trabanca noch eine Unterkunft und eine warme Mahlzeit erhalten wollen. Da es inzwischen dunkel geworden ist, laufen wir zunächst die Landstraße und dann auf Höhe von Almendra einen Feldweg nehmend Richtung Trabanca. Irgendwann gegen halb 12 bin ich einfach nur noch müde, der Blick auf die Uhr verrät mir, daß ich ein warmes Abendessen streichen kann und wir gerade mal den halben Weg nach Trabanca hinter uns haben. Ich überlege kurz und beschließe die nächste Wiese zum Nachtlager zu erklären. Ich habe heute zwar nur zwei Scheiben Toast zum Frühstück gehabt aber mein Hunger ist auch längst übergangen. Ich baue mein Zelt auf, gönne mir noch eine große Tasse Rotwein, der mir von Charlotte mitgegeben wurde, im Schein der Taschenlampe überprüfe ich das Navi stelle fest, daß wir seit Teixeira 90,17 Km zurückgelegt haben und finde dann schon bald den nötigen Schlaf.

01.05.2012 Gegen 9 Uhr quäle ich mich aus dem kuscheligen Schlafsack. Nach Monleras ist es ja auch noch ein Stückchen Weg. Eigentlich habe ich keine Lust aber heute ist ja der Tag der Arbeit, oder? Und so mache ich mich auf unser Gepäck zu sortieren und Boneca zu beladen. Wieder will sie mich bei der Hufpflege beißen aber da platzt mir der Kragen und ich halte Ihr sehr lautstark einen Vortrag, daß ich gestern Ihretwegen auf das Abendessen verzichtet habe und jetzt langsam mehr Kooperationsbereitschaft erwarte! Ich habe das Gefühl sie ist wenig beeindruckt, sie schaut mich mit Ihren großen Augen und hängender Unterlippe an, ich kann ihr nicht lange böse sein… Aber heute würde ich gerne etwas mehr essen…

Den späten Vormittag kommen wir durch Almendra und ich frage mich nach dem einzigen Restaurant, eher Kneipe und Cafe durch. Hier versorge ich Boneca mit Wasser und erstehe zwei kleine Küchlein mit Thunfisch Belag, ein kleines Stück Tortilla und ergänze meinen Wasservorrat.

Die hiesigen Feldwege sind zwar bequem zu laufen haben aber nicht mehr viel mit dem zu tun was hier laut Garmin gegeben sein sollte. Ich frage mich langsam, wofür ich eigentlich eine topographische Spanienkarte gekauft habe. Außerdem komme ich mit diesem super tollen Gerät immer noch nicht klar. Wenn ich den Tageskilometerzähler aufrufe bekomme ich die Strecke seit Teixeira angezeigt, schalte ich auf Gesamtstreckenzähler, erhalte ich die seit Faro zurückgelegte Strecke, obwohl ich vor dem Losgehen in Teixeira einen Reset aller Strecken durchgeführt habe. Und wenn ich einen Ort als Ziel eingeben will, findet mein Navi diesen zwar noch aber die Routenberechnung wird mit der Meldung „keine Straße in Zielnähe“ abgebrochen. Tja, spätestens jetzt wird klar, die Portugiesen und Spanier haben halt keine Straßen im eigentlichen Sinne. Und außerdem, warum braucht ein Outdoornavi eigentlich Straßen, ich habe doch den Outdoormodus eingestellt. Alles sehr unbefriedigend…

Und so geht es wieder auf Umwegen dem Tagesziel entgegen. Auf einer schönen Wiese gönne ich uns 1 ½ Stunden Pause. Boneca nutzt diese sich nach Herzenslust an einer sandigen Stelle zu wälzen und ich mache eine Siesta. Boneca entfernt sich hierbei nie mehr als 30-40 Meter und als ich wach werde, hat sie sich 5 Meter hinter mir ebenfalls hingelegt…

Gegen frühen Abend erreichen wir Monleras und ich frage mich nach Pedro durch, der hier Schafe hält und Biokäse herstellt. (Km 113,6) Beim Absatteln stelle ich fest, daß ein Gummipuffer des Sattels, der zwischen Rückenstütze und Gepäckträger das Gewicht abpuffern soll, kaputtgegangen ist. So kann ich den Sattel nicht verwenden. Ich begebe mich erst mal zu Pedro, der gerade dabei ist die Schafe zu melken und schaue mir das Ganze interessiert an. Hinterher werde ich eingeladen den kleinen Käsereibetrieb zu besichtigen. Sehr interessant das Ganze. Ich zeige Pedro das Malheur mit dem Sattel, worauf er loszieht eine Holzkiste mit verschiedensten Metall, Gummi und Plastikteilen und einem Werkzeugkasten im Schlepp kommt er kurze Zeit später wieder und bastelt mir aus einem Gummistück, einer passenden Schraube und verschiedenen Muttern einen passablen Ersatz. Wir bringen Boneca in einen Offenstall mit angrenzender Wiese. Pedro gibt mir zu verstehen, daß per Telefon niemand in der hiesigen Herberge erreichbar war und wir deshalb direkt vorbei fahren wollen. Aber auch hierbei stellen wir fest, daß niemand anwesend ist und so schlägt Pedro vor, daß ich in seinem Ferienhäuschen übernachten kann, das momentan noch als Lagerraum Verwendung findet. Mir ist alles recht, Hauptsache trocken und windgeschützt. Die Frage nach Nahrung kann ich nur freudig erwiedern und so fährt mich Pedro noch zum örtlichen Wirtshaus. Hier gibt es einiger Beratschlagung nur noch ein Bocadillo, ein Stück Baguette belegt mit einem Omlette, gebratener Chorizo und Tomate. Das Weißbrot hat schon bessere Tage gesehen, ich habe Mühe das Brot mit meinem Taschenmesser in mundgerechte Happen zu schneiden aber was isst man nicht alles, wenn man Hunger hat. Ich beschließe die Idee aus Gewichtsgründen keine Nahrungsmittel mitzunehmen nochmal zu überdenken.

02.05.2012 Ich möchte Pedro einen Käse abkaufen aber da sagt er einfach nein und schenkt mir ein Stück seines Käses, für Boneca bekomme ich ein Säckchen Futter in die Hand gedrückt auch Geld und Bezahlung lehnt er ab und so mache ich mich auf den weiteren Weg. Zurück in den Ort um Brot und Wasser zu kaufen spare ich mir, da der nächste Ort ja keine 5 Kilometer entfernt ist. Da werde ich so um die Mittagszeit ankommen meine Bestände auffrischen und vielleicht gibt’s dann auch einen schönen Mittagstisch.

Nach einigen Umwegen komme ich ca. 2 Km vor Villaseco de los Reyes wieder auf die Landstraße und dann geht es wieder mehr mit Stehen denn gehen auf diesen Ort zu. Im Ort selbst treffe ich nur auf Personen, die behaupten, daß es hier keine Einkaufsmöglichkeit und auch kein Restaurant gibt. Weiter geht es auf Feldwegen, die sich als Sackgassen entpuppt haben und irgendwann nach 6 Uhr gebe ich für heute auf und schlage auf einer der Wiesen mein Zelt auf. Heute habe ich mir 2 Müsliriegel gegönnt, die letzten 2 sind für morgen gedacht. Aber es gibt doch noch einen Grund zu feiern. Ich habe noch Rotwein von Charlotte und den Käse von Pedro. Da machen wir uns heute Abend ein Lagerfeuerchen und hauen das zum Abendessen weg. Kurz nach 7 setzt ein schöner Regen ein, ich packe Boneca in Ihre blaue Plastikplane ein, so daß sie als blauer Müllsack neben dem Zelt steht. Das gesammelte Feuerholz ist inzwischen zu nass geworden und so ziehe ich mich mit Käse und Wein zurück.

03.05.2012 Irgendwann zwischen 8 und 9 Uhr quäle ich mich aus meinem Schlafsack. Ich bin auf der Suche nach guter Laune aber ich kann sie nirgendwo finden. Boneca wird ausgepackt, versucht mich wieder bei den Reisevorbereitungen zu beißen, mag nicht gesattelt werden und es setzt auch wieder dieser herrlich erfrischende Landregen ein. Zwischendurch gönne ich mir die letzten Müsliriegel. Bisher habe ich dem Wetter getrotzt aber jetzt zieht ein Schnupfen auf, ich fühle mich kalt und frage mich, wer auf diese wahnsinnig geniale Idee kam, mit einem Esel von Portugal nach Deutschland zu laufen.

Auf Feldwege habe ich vor für heute zu verzichten. Und so laufen wir bis wir irgendwann die Landstraße erreichen. Wir sind keinen Kilometer auf der Landstraße Richtung Ledesma als uns auf Höhe von Campo de Ledesma das Unwetter voll erwischt. Starkregen vom feinsten. Ich verwandele Boneca in einen Müllsack und suche notdürftig im Schatten einer Pinie Schutz. So harren wir ca. 1 ½ bis 2 Stunden aus. Mir ist erbärmlich kalt. Als der Regen auf das erträgliche Maß eines gesunden Landregens abschwächt, beschließe ich das zu nutzen weiter zu kommen. Abgesehen von einigen Besinnungspausen für Boneca laufen wir entlang der Landstraße Richtung Ledesma weiter. Da gibt es so um die 5 Kilometer vor Ledesma einen Ort, direkt an der Landstraße, den werden wir wohl frühen Abend erreichen. Dieses Los Caciques, im Navi als Ortschaft gekennzeichnet stellt sich als Ansammlung verschiedener Ställe heraus. Alles ist wunderschön eingezäunt und das Hoftor verriegelt. Nun, bis Ledesma sind es ja jetzt eigentlich auch keine 5 Kilometer mehr. Also durchhalten und ab nach Ledesma. Ich verspreche Boneca einen wunderschönen trockenen Stall einen Apfel und eine schöne Karotte aber irgendwie zieht das nur einen knappen Kilometer lang. Danach zockeln wir wieder im üblichen „ich Steh lieber als daß ich geh“ Trott gen Ledesma.

Wir kommen um 9 Uhr endlich an. Am Ortsrand treffe ich einen Bauern, der seine Kühe in den Stall treiben will. Er ruft seine Frau, die etwas Französisch spricht und so erfahre ich, daß es für mich hier problemlos eine Unterkunft gibt. Als ich auf Boneca deute wird die Aussage etwas schwer verstehbar. Immerhin man führt mich in den Ort und weist mich auf das Hostal La Beata hin, das ich dann auch aufsuche.

Ein Zimmer kann ich bekommen. Für meinen Esel will man allerdings keinen Finger krümmen. Niemand will hier jemanden kennen, der einen Stall hat, nicht mal für eine gute Bezahlung. Francisco Lopez der Gastwirt schlägt vor Boneca um die Ecke zwischen zwei Häusern auf eine Wiese zu stellen. Ich packe Boneca also wieder in die Plane und stelle sie zumindest halbwegs windgeschützt ab. Zurück beim Hostal bringe ich dann mein Gepäck auf die Stube. Morgen um 8 so Francisco wird man bestimmt einen Stall finden können. Ich habe beschlossen bis zum Ende der Regenzeit hier zu bleiben, um die Tage der Müsliriegel zu vergessen…

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