23.06.2012 Von Rubena geht es über Quintanapalla nach Fresno de Rodilla mit Ziel Belorado, um hier wieder Anschluß an den Jakobsweg zu finden. In Fresno stelle ich allerdings fest, daß der rechte Reifen platt ist. Von hilfreichen Dorfbewohnern bekomme ich einen passenden Holzklotz, um den Wagen aufzubocken. Diesmal wähle ich das Pannenspray für Motorräder aber die Dichtmasse quillt aus mehreren Löchern im Reifen und sogar der Felge. Der Schaden ist wohl diesmal etwas größer und läßt sich mit Pannenspray nicht beheben, denn nach einigen Minuten ist der Reifen genauso schlaff wie zuvor. Vom ADAC erhalte ich die Warnung daß ich vorsichtig sein soll denn es ist wohl üblich, daß man Touristen die Reifen kaputt macht um sie hinterher auszurauben. Weiterhin gilt meine ADAC Mobilitätsgarantie nur für motorgetriebene Fahrzeuge womit ich einen Pannendienst selbst zu finanzieren habe. Auf meine Bitte hin mir trotzdem den Kontakt zum Pannendienst zu vermitteln verspricht man mir, daß ich in Kürze einen Rückruf erhalte. Und tatsächlich kurz nach 7 Uhr erhalte ich eine Sms, daß zweimal versucht wurde mich telefonisch zu erreichen, allein ich habe keinerlei Anruf vernommen. Auf meinen Anruf unter der angegebenen Nummer hin werde ich in eine Warteschleife für englisch sprechende Kunden gestellt. Nach 5 Minuten gebe ich auf und lasse mich in die Warteschleife für deutsche Kunden stellen. Hier erfahre ich daß der Spaß 500 € kosten soll. Wie, die Reparatur meines Reifens soll 500 Euro kosten? Nein. Der spanische Pannendienst repariert nicht. Es geht um das Abschleppen zu einem Depot, wo mein Wägelchen sicher verwahrt wird, da heute sowiso keine Werkstatt mehr geöffnet sei. Am Montag würde der Wagen dann zur Werkstatt gefahren. Na super das mit dem Verwahren können wir uns gerne schenken. Was kostet denn ein Transport am Montag? Ich kann den jungen Mann von 400 bis auf 200€ herunterhandeln. Und abschließend soll das Ganze am Montag vor dem Abholen nochmal bestätigt werden, man will mich dafür Montag früh  um 10 Uhr nochmals anrufen.

Inzwischen hat sich unsere Anwesenheit herumgesprochen und wir werden von den Dorfbewohnern besichtigt. Auf meine Frage hin, ob es hier eine Möglichkeit zum Einkaufen gibt, schüttelt man nur mit dem Kopf. Was ich denn kaufen wolle meine ich etwas zum Essen, Früchte, Wasser und so… nach einer Weile erhalte ich belegte Brote, eine Tüte mit Früchten und Wasser. Ein Junger Mann, Jordi kommt mit einem großen Eimer Wasser und einem Käse. Für den schönen Esel meint er. Als ich erstaunt zusehe, wie er Boneca mit Käse füttern möchte, deuten mir einige der Umstehenden mit dem Finger an die Stirn tippend an, daß er nicht mehr alle Nadeln an der Tanne habe. Er wundert sich, daß der Käse verschmäht wird und schenkt mir diesen dann. Bei meinen neuen Nachbarn weiter oben erfahre ich daß es einen Bus nach Burgos gibt. Allerdings muß man hierfür einige Kilometer zur Hauptstraße laufen. Da heute Spanien Fußball spielt trifft man sich hier zum Grillen. Der Sohn meines Nachbarn, Abel bietet mir an meinen Reifen zu flicken, was ich dankbar annehme. Mit Hilfe seines Flickzeuges für Fahrräder ist der Schlauch auch schnell geflickt, aus dem Reifen werden noch die Verursachenden Dornen gezogen und dann ist das Rad schnell wieder eingebaut. Zum guten Schluß bekomme ich von Abels Schwester Shiela einen Teller mit Spearribs, Steaks und Kotelette und zwei Flaschen Bier gebracht. Spanien hat gewonnen.

24.06.2012 Der Reifen hat die Luft leider nicht gehalten. Ich gehe den Tag ruhig an und als ich von meiner Morgentoilette zurückkomme finde ich an meinem Wagen eine Schale mit Tostadas dick mit Butter geschmiert, zwei über einen cm dicke scheiben Käse, einen Bierkrug voll Kaffee und einem Töpfchen Milch vor. Kurz darauf kommt Antonia, eine der neuen Nachbarn mit einem mächtigen Glas selbstgemachter Kirschmarmelade, die ich dann ohne eine Wiederrede duldend auf die Toastbrote geschmiert bekomme. Und wo ich denn so lange gesteckt hätte, Milch und Kaffee sind doch bestimmt schon kalt…

Nach dem opulenten Frühstück bringe ich das Geschirr zurück und beginne meinen Siestatag mit ausruhen. Um 11 bekomme ich dann nochmal einen großen Milchkaffee mit einem guten Schuss Brandy kredenzt. Wir müssen mehrmals umziehen, um der Sonne zu entfliehen und am frühen Nachmittag bekommen wir Besuch vom Bürgermeister Fernando. Ich erfahre, daß er morgen nach Burgos zur Arbeit fährt und frage Ihn, ob er mich mitnehmen könnte, da ich dort einen kaputten Reifen reparieren lassen möchte. Neugierig geworden, läßt er sich den Reifen zeigen und holt dann das nötige Werkzeug, um mir den Reifen wieder vom Wagen abzuschrauben. Gegen 3 bringt mir Antonias Sohn Jordi das Mittagessen und 2 Flaschen Bier. Letztere lehne ich dann aber wegen der Hitze ab. Ich glaube wenn ich nur eine Woche hier bleibe, bringe ich locker 100 Kilo auf die Waage. Gegen Abend kommt Abel vorbei und wir versuchen noch einmal den Reifen zu flicken. Und diesmal hält die Luft, so daß ich beschließe morgen nur noch Felgenband zu besorgen, damit der Schlauch künftig vor Löchern geschützt ist. Nach getaner Arbeit kommt Jordi mit einem Teller auf dem sich gebratene Sardinen Türmen. Mit viel Knoblauch und Petersilie gebraten. Dazu gibt’s Tomaten, dicke Scheiben Käse, Oliven, Gurken und Perlzwiebeln. Jordi erklärt mir noch, daß man die Gräten und Fischköpfe nicht essen soll und ich die Biere vom Mittag diesmal nicht ablehnen darf. Schon nach der halben Portion bin ich eigentlich satt und nachdem Teller und Tiegel gelehrt sind leide ich unter Atemnot und kann mich gegen den unvermeidlichen Eimer Kaffee mit Schuß nicht mehr wehren…

25.06.2012 Kurz vor 6 ist die Nacht zu Ende, da ich 4tel nach 7 mit dem Bürgermeister nach Burgos aufbrechen will. 20 vor 7 werde ich von Antonia abgefangen und unter Ihrer Aufsicht esse ich wieder 2 große auf dem Herd geröstete Stücke Baguette mit Kirschmarmelade und Käse und trinke einen Humpen Milchkaffee. Hatte ich gehofft ums Frühstück herum zu kommen, revangiert sich Antonia indem sie die Portionen stetig vergrößert.

20 nach 7 breche ich mit Fernando nach Burgos auf und schon 20 vor 8 werde ich vor einem Reifenhändler abgesetzt. in der Hoffnung, daß um 8 geöffnet wird warte ich vor dem Laden kann aber keinen Hinweis auf die Öffnungszeiten finden. 4tel nach acht begebe ich mich auf die Suche nach einem Kaffee um dann kurz nach 9 erfreut festzustellen daß mittlerweile geöffnet ist. Der kurz angebundene Monteur will mich bei der Suche nach einem Felgenband nicht unterstützen. Sowas gibt es nicht. Wenn ein Schlauch kaputt ist, dann muß er eben geflickt werden. Er holt aus einer Schublade einen Flicken den er mir vor die Nase hält. Und wenn der Reifen kaputt ist, dann zieht man halt einen neuen auf. Er zeigt mir einen verrotteten alten Reifen, an dem schon das Gummi abbröselt. Was anderes gibt es nicht. Da ich auf meinem Felgenband bestehe fängt der gute Mann an mich für ein wenig blöde zu halten, während dieser Eindruck ganz und gar auf Gegenseitigkeit beruht. Ich lasse mir noch von Ihm den Weg zur nächsten Ferreteria erklären und wünsche noch einen guten Tag. In der Ferreteria habe ich Glück, zwar schüttelt die Verkäuferin auch nur mit dem Kopf allerdings hat ein Kunde der gerade gehen will mein Begehren mitbekommen und verweist mich auf einen Fahrradhändler hier ganz in der Nähe. Fahrradläden machen in Burgos erst um 10 auf, wodurch ich mich wieder zu einer Kaffeepause genötigt sehe. 10 nach 10 treffe ich mit dem Fahrradverkäufer am Laden ein, lasse Ihn den Laden öffnen und die Alarmanlage deaktivieren bevor ich Ihm meinen Reifen Zeige und Ihn bitte mir das breiteste Pannenband zu verkaufen, das er hat. Tja in der Größe gibt es wohl nichts. Er zeigt mir ein doch recht schmales Pannenband. Nach kurzem Überlegen denke ich mir wenn man 3 oder 4 solcher Bänder Bänder mit Gewebeband zusammengeklebt um die Breite entsprechend zu vergrößern, dann sollte das einen probaten Rundumschutz bieten. Auf meine Frage hin fängt der gute Mann an im Laden zu suchen findet aber nur noch eine weitere Packung. Nun, besser als nichts. Mein Blick auf die Uhr verrät mir daß ich noch jede Menge Zeit habe. Ich hatte mich mit Fernando für 4tel nach 3 zur Rückfahrt verabredet. Also hole ich den Stadtrundgang nach. Das fotografieren der Sehenswürdigkeiten mit der Kamera macht irgendwie keinen allzu großen Spaß seit eine etwas übergewichtige Lady wohl aus Versehen drauf stand. Das Display bietet seitdem kein Bild mehr und einen Sucher gibt es auch nicht mehr. Also gibts keine Fotos mehr mit der Kamera…

Nach dem Stadtrundgang geht’s noch in einen Hypermercado. Hier kaufe ich mir noch Werkzeug um künftig selbst einen Reifenwechsel durchführen zu können, zwei Rollen Gewebeband und für Antonia die größte Schachtel Pralinen. Für Jordi, der sehr viel raucht, habe ich ein Päckchen Drehtabak gekauft.

Kurz vor 4 kommen wir wieder in Fresno an. Damit ich wieder zu Kräften komme muß ich sofort das Mittagessen nachholen. Bohnensuppe mit Blutwurst, Salat, Kotelette und Bratwürste sorgen für mehr als ein Sättigungsgefühl. Vor dem Abendessen werden schnell noch die Felgenbänder verklebt und eingebaut. Antonia hat inzwischen meine Wäsche gewaschen und ich habe schon ganz das Gefühl adoptiert zu sein. Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange für einen Abschiedsumtrunk vor Antonias Haus. Antonia hat hierfür extra Cidre, eine Spezialität aus dem Nordosten Spaniens, kaltgestellt. Boneca und Salamanca strolchen ein letztes Mal durch den Ort.

  • Thorsten:

    Hallo Ralf,

    Fresno war ja das reinste Schlaraffenland!

    Ich wünsch dir weiter guten Appetit und eine unfallfreie Reise.

    Deinen Vinho Verde aus Portugal habe ich inzwischen übrigens auch mal probiert. Sehr gut! ;-)

    Viele Grüße
    Thorsten

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