29.06.2012 Von Cameno geht es nach Grisalena. Hier frischen wir unsere Wasservorräte auf. Diese Tätigkeit wird aufmerksam von den hier im Ortskern auf Bänken sitzenden Dorfbewohnern verfolgt. Kinder kommen angelaufen und wollen Boneca streicheln.

Hinter dem letzten Haus des Ortes wird die Qualität des Feldweges schlagartig schlechter. Zudem müssen wir auch noch bergauf aber auch diese Hürde meistern wir mit einigen Besinnungspausen in mäßig schöner Natur der Feldwirtschaft, um nach Zuneda entlang einer idyllischen Autobahn, der Autopista del Norte in eben jene Richtung zu laufen. Die Mittagszeit verstreicht, wir finden im Anschluß auf der ebenso stark befahrenen parallel zur Autobahn verlaufenden Landstraße unseren weiteren Weg. Boneca eben auf den Feldwegen noch recht willig bekundet ihr Desinteresse an geteerten Straßen mit äußerster Hartnäckigkeit und nur mit handfester Unterstützung, einem Apfel und diversen Karotten kann ihre Motivation gesteigert werden. Es ist inzwischen früher Nachmittag und auch mir fällt der weitere Weg in der Nachmittagssonne immer schwerer. Aber irgendwie will einfach kein geeigneter Rastplatz für eine Siesta in Sicht kommen. Wir finden schließlich zwischen Landstraße und Autobahn eine Reihe von Bäumen, die zwar einen dürftigen aber immerhin einen Schatten werfen…

Gegen 6 Uhr ist die Sonne wieder milder und wir machen uns auf den Weg nach Pancorbo, einen von recht steilen Hängen umgebener und den Rio Oroncillo umrahmender Ort. Da wir keine eselgerechte Abstellmöglichkeit finden, geht es auch schnurstracks wieder zum Ort hinaus. Am Ortsausgang stoßen wir wieder auf die stark befahrene Landstraße und die vor einer abschüssigen Kurve angebrachten Warnhinweise 60km/h zu fahren, da dies eine Unfallträchtige Strecke ist, machen mir Mut, zumal auch die vielen LKW hier deutlich schneller fahren…

Gegen 8 Uhr treffen wir auf eine Raststätte und ich gönne uns eine Erfrischung. Während ich mein eiskaltes Bier trinke fällt mein Blick auf den rechten Reifen und ich stelle mich schon mal darauf ein vor dem Aufbruch die Luftpumpe in Gang zu setzen. Hier gibt es nirgendwo eine gescheite Lagermöglichkeit, da die Feldwege alle schnurstracks in die Berge führen und ich weder Boneca noch mir diese zusätzliche Anstrengung zumuten will. Wir finden schließlich eine von der Landstraße uneinsehbare Einfahrt zu einem wohl momentan unbewohnten Ferienhaus vor dessen Tor wir unser Lager aufschlagen. Wegen der großen Nähe zur Landstraße muß ich Boneca an die Leine legen. Dies haben wir uns schon sehr bald auf unserer Tour abgewöhnt gehabt, da Boneca eigentlich immer in meiner Nähe bleibt und mich fast jeden Morgen daran erinnert, daß Esel kratzen und massieren viel schöner ist als ausschlafen. Hierzu werde ich zunächst mit der Schnauze gestupst und wenn ich dann nicht reagiere werden die aus dem Schlafsack schauenden Körperteile zunächst zärtlich mit den Lippen und der Zunge abgeschleckt worauf ein weniger zärtlicher Biss mit den Zähnen folgt. Dies ist zwar nicht böse gemeint tut aber trotzdem nicht weniger weh. Dererlei Freundschaftsbesuche sind für morgen nicht zu erwarten. Boneca ist jetzt schon sauer, angebunden zu werden. Ich bocke den   Wagen auf dem Salzleckstein auf, appliziere ein Pannenspray und koche eine schnelle Suppe bevor die Sonne sinkt und bei uns das Licht ausgeht.

30.06.2012 Wegen der fehlenden Weidemöglichkeit bekommt Boneca eine Sonderration Getreidemischung bevor es über Ameyugo weiter geht. Das heutige Tagesziel ist Miranda de Ebro, das wir auch am späten Nachmittag erreichen. Das Gute, die Luft hält am rechten Reifen das weniger gute, Boneca mag keine geteerten Straßen und fordert immer wieder eine aktive Motivation ein. wir frischen im hiesigen Liedl unsere Vorräte auf und verlassen Miranda über Bayas. Nach Bayas müssen wir einen kleinen Umweg laufen um die Autopista 68 zu unterqueren. In der Unterführung fällt mein Blick auf den rechten Reifen, der nur noch oben mit Luft gefüllt ist. Die Luftpumpe ist inzwischen in Griffweite am Wagen verstaut und so gehe ich daran entspannende Fußübungen zu machen. Egal wie schnell ich pumpe, die Nachhaltigkeit ist sehr gering und so treibe ich Boneca an, um schnell auf einen Feldweg zu kommen. Ich ärgere mich. Ich hätte doch mal besser in Miranda einen Reifenhändler gesucht um dem Elend der ewigen Plattfüße ein Ende zu setzen. Meine Laune wird noch gesteigert als ich feststelle, daß wir das Baguette verloren haben, das ich wohl unzureichend gesichert habe. Für heute habe ich keine Lust mehr an die Reparatur des Reifens zu denken. Ich genieße die letzte Stunde vor dem Sonnenuntergang denn es ist jetzt eh zu spät noch einmal nach Miranda zurück zu laufen und morgen ist Sonntag, da geht ja auch nichts.

Kommentieren

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.