01.07.2012 Da das heutige Weiterkommen noch schwer mit Fragezeichen behaftet ist, gehe ich den Tag extrem gemütlich an. Bei einer großen Tasse Kaffee erwäge ich die Alternativen und beschließe es von der Anzahl der Löcher abhängig zu machen, ob wir weiter ziehen und versuchen uns nach Vitoria Gasteiz durchzuschlagen oder ob wir am Montag umkehren und in Miranda neue Reifen kaufen. Wir haben noch drei Fahrradflicken…

Während ich mit meinem Kaffee die Vormittagssonne genieße kommen einige Sonntagsjogger und Spaziergänger vorbei. Nur sehr wenige grüßen zurück. Die Leute im Norden Spaniens sind halt bissel anders. Als ein Jogger in neuem bunten Sportdress mit gemütlichen Schritten an uns vorbei geht fühlt sich Boneca berufen den bunten Vogel genauer anzusehen. Sie unterbricht Ihre Futtersuche und eilt auf den Feldweg zu. Der Jogger, inzwischen auf Boneca aufmerksam geworden, nimmt jetzt sein sportliches Engagement etwas ernster. Als er sich besorgt umdreht und feststellt, daß Boneca Ihn begleiten will, nimmt er die Beine in die Hand und sucht fluchtartig das Weite. Boneca läuft zwar noch ein wenig mit, gibt aber am Ende des Feldweges enttäuscht auf. Nein, der Mann mag Boneca nicht streicheln…

Ich nutze den weiteren Vormittag, um in aller Ruhe den Reifen auszubauen und den Schlauch in unserer mit Wasser gefüllten Faltwanne zu überprüfen. Der Schlauch hat genau drei neue Löcher. Wenn jetzt mal bloß bei Reparatur und Einbau nichts mehr schief geht…

Am frühen Nachmittag ist die Operation beendet und der Reifen aufgepumpt. Ich ziehe den Salzleckstein unter dem Wagen weg, um den Reifen einem Belastungstest zu unterziehen, räume unsere Sachen zusammen und packe den Wagen. Nach einer Stunde sehe ich die Operation als geglückt an und nachdem beide Damen eingesammelt sind, geht es weiter. Wir umgehen Lacorzanilla und folgen dem Fluß Ayuda Ibaia. In Berantevilla frischen wir unsere Wasservorräte auf. Der Ort macht einen sehr wohlhabenden Eindruck und die Bevölkerung bereitet sich hier schon langsam auf das Endspiel Spanien gegen Italien vor. Ich glaube ich muß niemandem sagen, wem ich heute die Daumen drücke…

Wir sind keine 500 Meter aus dem Dorf heraus als die Kirchenglocken wohlklingend verkünden, daß es jetzt 6 Uhr abends ist. Boneca bleibt lauschend stehen und ist erst wieder bereit sich in Bewegung zu setzen, als der letzte Glockenschlag verklungen ist. Wir sind keine 10 Meter weiter gekommen, als die Glocken erneut erklingen und ein schönes spanisches oder baskisches Lied intonieren. Boneca bleibt wieder lauschend stehen und ich kann nicht umhin dem Ganzen meinen Respekt zu zollen. Es ist schon beeindruckend in solch einem kleinen Dorf ein so gutes Glockenspiel geboten zu bekommen.

Kurz nach 8 Uhr, wir sind nicht weit von Molino, höre ich lautstarke Rufe des Jubels, die mir anzeigen, daß das Spiel schon in vollem Gange und wohl ein Tor für Spanien gefallen ist. An der Einfahrt nach Molino, der Ort macht mir den Eindruck einer besseren Schrebergarten- oder Feriensiedlung, sehe ich weiter hinten ein gut besuchtes Restaurant. Kurzfristig beschließe ich hier einzukehren und mir das Spiel anzusehen.

Kaum vor dem Restaurant angekommen, sind wir umringt von den üblichen neugierigen. Nachdem alle Fragen geduldig beantwortet sind, darf ich Boneca auf der anderen Straßenseite anleinen und Salamanca darf immerhin vor der Tür bei mir am Tisch sitzen. Ich mache sie an meinem Stuhl fest und hole mir im Schankraum ein Bier. Ich will gerade die Bestellung aufgeben als ich im Augenwinkel sehe wie Salamanca verängstigt aufspringt um sicherheitshalber einige Meter zwischen sich und den am Tisch sitzenden Personen zu bringen. Jetzt geht auf einmal alles ganz schnell. Der Aluminiumstuhl fällt um und Salamanca, nun von dem ungewohnten Geräusch erschreckt versucht auf die Straße zu fliehen. Aber nein dieser auf dem Asphalt diabolisch rumpelnde Stuhl läßt sich nicht abschütteln. Sofort springen einige junge Männer auf, um sich an ihrer Verfolgung zu beteiligen. Ich eile auf die Straße aber Salamanca ist nur noch als fernes Rumpeln zu vernehmen. Ich will  mich auf den Weg Richtung Hauptstraße machen als man mir zuruft daß sie weiter oben auf der Wiese zurückkommt. Und da kommt sie auch schon mit einem unglaublichen Tempo ganz oben auf der Wiese am Zaun entlang immer noch verfolgt von meinem Stuhl. Hinter dem Restaurant steht eine langsam verfallende Kirchenruine und einer der Männer ruft mir zu daß wir Salamanca hinter der Ruine abfangen sollten. Er will links ich soll rechts herumlaufen. Ich habe noch nicht mal die Ruine erreicht als Salamanca in vollem Lauf hinter Restaurant und Ruine am Zaun entlang zur anderen Seite des Ortes rennt. Im Ort ist sie wieder durch das Rumpeln des Stuhles auszumachen. Im Geiste mahle ich mir schon aus wie der hin- und herpendelnde Stuhl sämtliche geparkten Autos verkratzt und eine aufgebrachte Meute von mir Schadenersatz fordert. Ich habe noch nicht mal den Ort erreicht als das Rumpeln wieder zurück kommt. Da die Wiese von mir blockiert ist schlägt Salamanca den Weg zum Restaurant ein. Hier springen geistesgegenwärtig zwei Männer auf, um die Straße abzuriegeln und beruhigend auf Salamanca einzusprechen. Schließlich komme auch ich völlig ausgepumpt wieder am Restaurant an. Die vollkommen verstörte Salamanca wird erst mal ganz lang in die Arme genommen bis sich ihr Puls beruhigt hat. Den Rest des Abends liegt sie apathisch unter dem Tisch zu meinen Füßen. Inzwischen steht es 2 zu null für Spanien und ich kann eine gewisse Freude über den Ausgang des Spiels nicht verbergen… die heutige Nacht verbringen wir auf der Wiese neben dem Restaurant und Salamanca kuschelt sich ganz dicht an mich.

02.07.2012 Heute werde ich sehr früh wach und wir sind schon halb 8 abmarschbereit und verlassen das verschlafene Molino. Wir überqueren den Rio Ayuda und der sanfte Anstieg Richtung Cucho wird langsam aber sicher immer steiler, so daß auch ich wieder ziehen darf. Zwischen Cucho und Golernio will uns ein Wagen mit Backwaren zur Versorgung der kleinen Ortschaften überholen und ich nutze die Gunst der Stunde den Wagen zu stoppen um ein frisches Baguette zu erwerben. Kurz vor der Urbanizacion Dorono, einer Feriensiedlung vor dem eigentlichen Ort Dorono machen wir eine Rast, da Boneca inzwischen immer öfter ihren Unwillen zu laufen bekundet. Boneca bekommt ihre Wiese und ich suche ein schattiges Plätzchen, was bei den wenigen Bäumen hier am Wegesrand nicht so einfach ist. Nach nicht ganz anderthalb Stunden ist auch hier kein Schatten mehr zu finden so daß ich beschließe weiter zu wandern. Weiter oben hinter Dorono verspricht der Weg zwar steiler zu werden aber hier verspricht mein Navi beiderseits der Straße dichte Bewaldung und ich hoffe auf einen schattigen Aufstieg. Während wir bisher kaum Verkehr hatten wird jetzt die Straße kurz vor Dorono zwar besser aber auch der Verkehr hat zugenommen. Mein Wunsch nach einem schattigen Weg wird nur sehr spärlich erfüllt und auch meine Freude über die  zunehmende Steigung  auf dem Weg zum über 800 Meter hohen Gasteizko Mendiak wird nun auch noch durch den rechten Reifen gesteigert, der wieder Luft verliert. In immer kürzeren Intervallen machen wir jetzt die nötigen Pausen zum Pumpen. Und so wird der erste Waldweg genutzt die Lage neu zu überdenken. Am schonendsten wäre es wohl die Reifen auszubauen, in Vitoria die Felgen mit neuen Reifen zu versehen und dann zurück zu kehren. Aber diese Alternative gefällt mir nicht, da ich weder meine Sachen ein bis zwei Tage unbewacht zurück lassen möchte noch die Möglichkeit sehe nötiges Gepäck für diese Zeit auf Boneca zu befestigen. Also gibt es erst mal ein weiteres Pannenspray fürs Rad und eine Brotzeit für uns.

Boneca ist alles andere als begeistert wieder vor den Karren gespannt zu werden aber mit Zureden und mir an der rechten Deichsel den Wagen ziehend geht es in langsamen stündlichen Etappen weiter den Berg hinauf. Einzig unterbrochen von meinen Pumppausen…

Auf jeden Aufstieg folgt der unausweichliche Abstieg und so geht es auch hier endlich wieder abwärts. Entlang des Weges läßt der Baumbestand langsam nach und erlaubt einen weiten    Blick ins Tal. Vor uns liegt Vitoria mit seinen südlichen Vororten. Aus der Ferne besehen sollte alles schön sein aber hier bin ich dann doch eher enttäuscht. Mein erster Eindruck ist „ wie hässlich ist das denn…“ Auf mich wirkt Vitoria von Weitem wie eine total verbaute Stadt ohne besondere Ausstrahlung. Und so ziehen wir weiter, da der Tag sich dem Ende neigt und wir ja noch einen Platz für die Nacht brauchen. Wir laufen entlang des Ortes Berrosteguita. Ich beschließe hinter Berrosteguita die Hauptstraße zu verlassen, um einen Lagerplatz zu suchen, denn es verspricht bald dunkel zu werden.

Kurz hinter Berrosteguita bietet sich ein schmaler Feldweg nach rechts an, dem wir folgen. Wir sind keine 20 Meter weit gekommen, da kommt uns ein kleiner Viehtransporter entgegen. Die Straße ist so schmal, daß wir nach rechts in den Grünstreifen       ausweichen müssen. Auf unserer Höhe bleibt der Transporter stehen, ein kleiner Mann kurbelt das Fenster herunter und möchte wohl ein Schwätzchen halten und das ausgerechnet jetzt… Das Woher, wohin und warum unserer Anwesenheit sind schnell geklärt. Jetzt bekomme ich stolz erklärt, daß er, Philipe auch Esel und Pferde hat und wo ich denn die Nacht zu verbringen gedenke. Nun irgendwo hier wird sich wohl schon ein Stückchen Wiese oder einfach ein ruhiges Eckchen ergeben auf dem wir unseren Karren abstellen und unser Lager aufschlagen. Wir brauchen ja auch nicht viel… Wenn ich kurz warten möchte, dann sind wir eingeladen auf Philips Eselweide zu übernachten. Einen Stall gibt es auch, er muß nur kurz weiter, den Schlüssel holen. Ich nehme die Einladung an und wir warten in der nächsten Kurve eine gute halbe Stunde bis der Viehtransporter wieder angebraust kommt. Die gleich hier am Weg gelegene Weide wird aufgeschlossen, ich bekomme erklärt, daß ich das Tor wieder sorgsam mit der schweren Kette und dem mächtigen Schloß morgen einfach wieder verriegeln soll. Philipe führt mich noch zu einem bogenförmigen Blechgebilde ohne Fenster, hier ist es nach hinten hin stockdunkel, auf dem Boden liegt Stroh mit Eseldünger vermischt. Ich könne mir hinten im Stroh eine Lagerstelle einrichten. Ich frage ob es in der Nacht regnen soll und beschließe nach dem erwarteten Nein lieber draußen auf der Wiese einen Düngerfreien Platz zum Schlafen zu suchen. Der Platz ist ideal für Esel. Es gibt nur spärlich Gras und die Bäume weisen überall Verbissspuren auf. Boneca macht sich auch sofort daran Ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und Salamanca bekommt Ihren Napf voll Trockenfutter. Im Halbdunkel koche ich mir noch ein Abendbrot bei dem mir Salamanca und Boneca assistieren wollen. Die Nacht ist sternenklar und ich suche nur noch die Adresse einer Reifenwerkstatt in Vitoria heraus, meine Wahl fällt hier auf den Euromaster, bevor ich es mir in meinen Schlafsack gemütlich mache und meinen Gedanken freien Lauf lasse.

3.07.2012 Gegen 9 Uhr geht es weiter Richtung Vitoria. Ich bin froh, daß mein Handy mit Google-Maps über eine Navigationsfunktion verfügt. Mein Garmin erlaubt mit der teuren topgraphischen Karte für Spanien keine Straßen zu suchen und so wird heute mein Handy zum Navi. Der rechte Reifen ahnt wohl, daß Ihm heute sein letztes Stündlein schlagen soll und revangiert sich durch erhöhten Druckverlust. Nach anfänglich halbstündigem Pumpen verkürzen wir sukzessive bis auf ein 10 minütiges Intervall und etwa einen Kilometer vor der Werkstatt ist nichts mehr zu machen, wir laufen platt ins Ziel. Bis es allerdings dazu kommt liegt aber noch etwas literarischer Weg vor uns und wie immer steckt die Ursache für Ungemach im Detail. Ein fataler Fehler in der Nutzung meines Handynavis liegt darin begründet, daß ich die Option „zu Fuß“ wähle. Aber noch ahne ich nichts von den kommenden Freuden Vitoria zu durchqueren. Die Reifenwerkstatt liegt nördlich vom Zentrum und wir laufen auf der schnurgeraden Einfallstraße direkt auf unser Ziel zu. Die Freude des nachfolgenden Verkehrs wird immer dann getrübt, wenn die Straße einspurig wird und Verkehrsberuhigende Maßnahmen wie Straßenbegrenzungen aus Beton ein Überholen verhindern. Das Verständnis für unsere Anwesenheit reduziert sich hierbei drastisch, wenn Boneca gerade in diesen Engstellen beschließt eine wohlverdiente Pause einzulegen. Mir obliegt es in diesen Fällen als Motivationsmanager sowohl Esel als auch Wagen zu ziehen. Trotz flacher Straße wird mir hierbei gut warm.

Vitoria selbst ist bei näherem Hinsehen gar nicht mehr so hässlich. Hier gibt es durchaus Villen mit großen schönen Gartenanlagen die ein behagliches Wohnen ermöglichen aber in direkter Nachbarschaft von Stahlbeton einen krassen Gegensatz bilden. Es gibt weiterhin große Parkanlagen und es ist rund um die Altstadt sehr grün. Wir driften nach links ab, rechts des Weges gibt es Straßenbahnschienen, die Bahnen sind sehr modern. Da der nachfolgende Verkehr keine Chance hat zu überholen und die Bahnen Boneca angst machen nutze ich die Gelegenheit über die Schienen nach rechts zu überqueren um auf einem Platz zu pausieren und den weiteren Weg bei einem Kaffee zu überdenken, schließlich weichen wir mittlerweile deutlich von der Ideallinie ab.

Nach kurzer Rast versuchen wir wieder auf eine gegenüberliegende Straße zu kommen, die Fußgänger erscheinen Salamanca zu gefährlich, sie versucht sich mit der Leine um mich zu winden, als mich Ihr schmerzerfülltes Jaulen umfahren läßt. Sie ist Boneca so unglücklich vor die Füße gelaufen, daß Sie unter Bonecas Huf gekommen ist. In der Folge wird das rechte hintere Bein geschont. der Respekt vor Boneca auf der linken und die Angst vor den Passanten auf der rechten Seite führt dazu, daß Salamanca mir nun permanent in den Füßen steht.

In der Folge kommen wir mehrfach auf Einbahnstraßen, die uns wieder zurück führen würden. Hier geht’s dann kurzerhand auf Bürgersteigen und Parkwegen weiter. In der Altstadt bin ich schließlich soweit, daß ich mich mit Boneca auf einem schmalen Gehweg bergauf schleppe um weitere Umwege zu vermeiden. Wir durchqueren die für den Verkehr eigentlich gesperrte Altstadt mit Ihren schmalen mittelalterlichen Gässchen, werden von jungen Engländern angesprochen, ein Bier in der Rechten einen Joint in der Linken. Ich habe weder die Geduld einen small talk zu halten, noch die schönen alten Fassaden zu würdigen. Ich will hier einfach nur raus!

Irgendwann finde ich einen Abzweig nach Norden und wir laufen auf einer für beide Richtungen zweispurigen Allee unserem Ziel entgegen. Seit wir die Altstadt verlassen haben ist mir auch die Lust vergangen, den Reifen aufzupumpen. Wir steuern auf Wohnblocks zu und ich frage mich ob es sein kann, daß ausgerechnet hier eine Reifenwerkstadt untergebracht sein soll. Um weitere Umwege zu vermeiden mache ich Boneca kurzerhand vor einer Kneipe fest um die restliche Gegend alleine zu erkunden, die Werkstadt soll laut Navi schließlich keine hundert Meter in dem Wohnblock auf der anderen Seite der vierspurigen Allee liegen.

Ich bin erleichtert hier tatsächlich die Reifenwerkstadt zu finden. Es ist inzwischen 11 Uhr und es erfordert wiederum ein wenig Geduld dem Monteur meine Lage zu schildern. Ein Abschleppen scheint zu kompliziert und auch der Hinweis daß bei langsamem Fahren dem Reifen nichts passieren kann beruhigt mich nicht vollends. Um die Reifen mache ich mir seit etwa einem Kilometer keine Sorgen mehr. Ich möchte aber nicht auch noch die Felge ruinieren. Bei der Angabe der nötigen Reifengröße blicke ich dann in ein Gesicht ungläubigen Staunens. Solche Reifen gibt es überhaupt nicht. Ich soll erst mal den Wagen holen, dann wird man schon weitersehen. Auf dem Rückweg stelle ich fest, daß sich um Boneca eine kleine Anzahl Personen versammelt hat. Sie wird inzwischen von besorgten Passanten mit Karotten versorgt die wohl aus einem angrenzenden Gemüseladen besorgt wurden. Bevor ich noch die Allee überquere werde ich Zeuge wie effizient hier die hiesigen Parksünder ermittelt werden. Die lokale Polizei hat hierzu auf einem kleinen Streifenwagen eine Kamera installiert und filmt im Vorbeifahren die geparkten Fahrzeuge. Auf diese Weise spart man sich jegliche Konversation mit impulsiven Basken. Nachdem alle Passanten Boneca streicheln durften überqueren wir schließlich die Allee am nächsten Fußgängerüberweg und begeben uns zur Werkstadt. Hier ist gutes Rad teuer und wirklich diese Art Reifen gibt es wohl nur in China. Als Kompromiss erstehe ich zwei etwas größere Motorradreifen die gerade noch auf die Felgen passen, zugehörige Schläuche und nochmal zwei Schläuche als Ersatz. Die Reifen sind so speziell, daß sie bestellt werden müssen. Aber man versichert mir, daß sie noch heute Nachmittag da sind und bis 5 Uhr eingebaut werden können. Mir ist alles sehr recht schließlich hatten wir wegen der Reifen schon größere Zwangspausen.

Zur Überbrückung der Zeit geht es mit Boneca und Salamanca zurück zu der Kneipe, schließlich wurde mir diese von Javier dem Monteur für ein Mittagessen empfohlen. Gesättigt geht’s zurück zur Werkstatt. Hier lädt ein großer Grünstreifen mit Bäumen zur Siesta ein. Die Ruhe wird lediglich durch Passanten mit Ihren Kindern gestört, die mich bitten Boneca streicheln zu dürfen. Kurz nach 1 Uhr werden die Grünflächen durch einen ohrenbetäubenden Lärm erfüllt. Eine Horde von 7 riesigen Rasenmähern kommt angebraust. Ich habe solche Dinger noch nie gesehen. So groß wie Buggys mit Überrollbügel und riesigem Grasfangkorb, die Motoren ohne Schalldämpfer. Die Fahrer dieser Geräte machen sich einen Spaß daraus möglichst schnell über die Grünflächen zu heizen. Ich rette Decken, Rucksack, Wasser und Futternapf auf die nächste Bank und mache Boneca los. Boneca und Salamanca sind inzwischen panisch vor Angst und ich schaffe es nur mit viel Mühe beide in einen ruhigeren Bereich zu zerren, an ein Beruhigen ist nicht zu denken. So schnell wie die Rasenmäher auftauchten sind sie auch wieder verschwunden und wir kehren auf unsere Wiese zurück. Gegen 2 Uhr nachmittags wird die die lokale Polizei auf uns aufmerksam. Ich erkläre Ihnen meine Situation, zusätzlich kommt eine Mitarbeiterin der Werkstatt angelaufen und bestätigt dies noch einmal, die Polizisten ziehen verständnisvoll von dannen. Aber keine Stunde später sind sie wieder da. Der Polizeichef habe uns gesehen und befohlen uns auszuweisen. In Vitoria sind Esel verboten! Aha, so ist das also im Norden.

Inzwischen kommt eine junge Frau, geht demonstrativ auf mich zu, überreicht mir eine Tüte mit Gemüse für Boneca. Sie erklärt mir im Beisein der Polizei daß sie es schön findet, daß ich den weiten Weg auf mich genommen habe und mit meinem Esel nach Vitoria gekommen bin und Esel mit Vitoria eine lange Tradition verbindet. Den Polizisten ist die Situation sichtlich peinlich. Die Mitarbeiterin der Werkstatt findet sich auch wieder ein und es beginnt ein lebhaftes Palaver. Jetzt kommt ein junger Mann auf mich zu, flüstert daß er die Polizeiaktion überhaupt nicht gut findet und überreicht mir eine Tüte mit Wurst für meinen schönen Hund. Er bittet mich nicht fortzugehen er komme gleich wieder. Inzwischen sind die Polizisten in der Werkstatt verschwunden um sich von der Panne an meinem Wagen zu überzeugen. Jetzt kommt auch der junge Mann wieder, noch eine Tüte mit Würsten und einem neuen Strohhut für mich. Als kurz darauf die Polizisten wieder zurück kommen verabschiedet er sich schnell und geht. Keiner will sich offen mit der Polizei anlegen, aber trotzdem seinen Protest bekunden.

Es wurde beschlossen, das Beste sei den Esel in der Werkstadt unterzubringen. Naja, es ist schon gefährlich einen Esel die Grünflächen abweiden zu lassen. Da muß man schon Verständnis aufbringen. Also drücke ich Bonecas Leine einem Polizisten in die Hand und Trage Rucksack, Verpflegung, Decken zurück zur Werkstadt um anschließend Boneca und Salamanca mit Polizeieskorte zu holen. Bei der Werkstadt angekommen weigert sich Boneca diese zu betreten. Nur mit Karotten und einem Apfel kann ich Sie überzeugen, daß auch eine Werkstadt sehr reizvoll sein kann. Um dem Werkstadtgeruch eine persönliche Note zu verleihen läßt Sie überschüssigen Darminhalt hinter sich. Die Polizei druckst herum, bin ich Besitzer des Esels? Ich biete Ihnen an sowohl für mich als auch meine Tiere die Ausweise zur Verfügung zu stellen. Nach erfolgter Ausweiskontrolle, alle Daten von mir, Boneca und Salamanca werden akribisch in ein Notizbüchlein übertragen, bestätigt man mir vorbildlich ausgerüstet zu sein. Nun, so ist das wohl im Norden.

Irgendwann sind die Reifen endlich eingebaut, ich bekomme noch eine Michelin Schirmmütze und einen ähnlich beschrifteten Schirm geschenkt, revangiere mich mit einer Flasche kürzlich erworbener Jubelbrause und Konfekt. Nach einigen Erinnerungsfotos mit mir und Boneca werde ich entlassen um meine Tour fortzusetzen.

Wir sind gerade mal etwa eine viertel Stunde unterwegs als ein Knall rechts hinter uns Boneca aufschrecken läßt. Boneca beruhigen und den Wagen nach rechts auf den Gehweg Steuern nimmt mich wieder mal in Anspruch. Irgendwie quillt der Schlauch aus dem rechten Reifen und blockiert diesen. Na wenn das mal nicht ein guter Auftakt mit den neuen Reifen ist. Ich mache Boneca an einem Baum fest, Werde dabei von einer betagten Dame in weißer Schwesternrobe angesprochen. Sie denkt ich sei gläubiger Pilger und möchte mir Ihre Bewunderung ausdrücken. Ich sehe die Dame scheint tiefgläubig zu sein, ich möchte Sie in Ihren Ansichten nicht kränken und beschließe Ihre salbungsvollen Worte lächelnd über mich ergehen zu lassen, anschließend zu bedanken um danach zur Werkstadt zurück zu eilen.

Javier treffe ich beim Reinigen der Werkstadt an, erkläre Ihm die Situation. Während er Werkzeug holt, gehe ich wieder zum Wagen zurück. Wieder hat sich um Esel und Wagen eine Traube gebildet, Salamanca hat sich aus Angst vor dem Auflauf unter dem Wagen versteckt. Ich habe irgendwie keine Lust den Passanten Erklärungen abzugeben, „ja wir haben offensichtlich eine Reifenpanne und danke gleich kommt Hilfe…“, endlich trifft auch Javier ein. Vor Ort läßt sich der Defekt leider nicht beheben. Javier läßt die Luft aus dem Schlauch, drückt den Reifen wieder in die Felge und bittet mich langsam zurück zur Werkstadt zu kommen…

Wir verlassen Vitoria Gasteiz in nördlicher Richtung. Auf unserem Weg aus Vitoria heraus werden wir noch von zwei Verkehrspolizisten entdeckt die unsere Anwesenheit mit Ihren Handykameras dokumentieren, Sie winken mir freudig lächelnd zurück…

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